28.10.2008 (Müllheim und Auggen) Baustopp gefordert

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/muellheim/baustopp-gefordert--158293604.html
Daniel Ruda

Von Daniel Ruda

So, 28. Oktober 2018

Müllheim

Der Sonntag Rheintalbahn Höhere Lärmschutzmauern und Kostenexplosion im Markgräflerland.

Im Januar sollen die ersten Baumaßnahmen auf dem Rheintalbahn-Streckenabschnitt zwischen Müllheim und Auggen starten. Die Bürgerinitiativen fordern nun einen Baustopp. Sie befürchten sieben Meter hohe Lärmschutzmauern und sind irritiert ob neuer Zahlen aus Dokumenten der Bahn.

Am Donnerstag stand die erste Sitzung des Projektförderkreises der Rheintalbahn an – dem Nachfolgegremium des 2016 beendeten Projektbeirats. Auf der Tagesordnung stand dabei naturgemäß auch der Planfeststellungsabschnitt (PfA) 9.0 zwischen Müllheim und Auggen. Im April hatte das Bundesverwaltungsgericht die gemeinsame Klage von Müllheim und Auggen gegen den Planfeststellungsbeschluss zurückgewiesen. Seither war es scheinbar etwas ruhiger geworden nach dem jahrelangen Kampf gegen die Pläne der Bahn, welche nun legitimiert ist, diese in Baumaßnahmen umzusetzen. Im Januar will sie damit starten. Sieben Jahre sollen die Arbeiten dauern.

Seit dieser Woche ist es mit der scheinbaren Ruhe jedoch vorbei. „Wir fordern den Baustopp“, sagt Roland Diehl, Vorsitzender der Bürgerinitiative MUT (Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse) und Mitglied des Sprecherkreises der IG Bohr (Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrhein), der am Donnerstag an der Sitzung im Landesverkehrsministerium in Stuttgart teilnahm.

Grund dafür ist eine Präsentation der Deutschen Bahn aus der Vorwoche, als sich das Regionale Begleitgremium zum PfA 9.0 zu seiner inzwischen siebten Sitzung traf. Darin tauchten Visualisierungen von 6,90 Meter hohen Schallschutzwänden zum ersten Mal auf. In einer in diesen Tagen erschienen Broschüre der Bahn ist dagegen die Rede von zwei bis vier Meter hohen Lärmschutzwänden auf 3,8 Kilometern der Strecke im Bereich Müllheim und von 2,5 bis 5,5 Meter hohen Wänden auf den restlichen 4,2 Kilometern.

Die BIs verweisen auf das Dorf Eimeldingen nahe Lörrach, wo rund vier Meter hohe Lärmschutzwände stehen, die auch von Landesverkehrsminister Winfried Hermann als abschreckendes Beispiel in Sachen Lärmschutz angesehen werden. Selbst der ehemalige Bahnchef Rüdiger Grube fand sie schrecklich. Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes undurchsichtiges Thema, bedenkt man, dass die Bahn im PfA 9.0 für den sogenannten Vollschutz zu sorgen hat. Will heißen: Der Lärmschutz muss direkt an der Trasse stattfinden. Anliegende Häuser sollen keine Schallschutzfenster benötigen, die Menschen also auch bei offenem Fenster vor Bahnlärm geschützt sein.

Die Sache mit dem Vollschutz

In der offiziellen Broschüre der Bahn wird das Thema lediglich in einem offenen Statement angerissen: „Die im Projektbeirat beschlossene Forderung eines Vollschutzes wird derzeit noch ausgearbeitet und mit den Kommunen abgestimmt. Die Umsetzung ist daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden.“ Für Roland Diehl und seine Mitstreiter ist jedenfalls klar: „Wir wollen diese Markgräfler Mauern nicht, das kann man niemandem zumuten.“

Ein weiteres neues Aufregerthema sind die Baukosten, die von der Bahn nun deutlich höher als bislang angesetzt werden. 390 Millionen Euro für den gesamten rund 10,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Buggingen und Auggen war bislang die Kennzahl. Das macht pro Kilometer rund 37 Millionen Euro.

Nun gibt die Bahn 385 Millionen Gesamtkosten für den Abschnitt Müllheim-Auggen an – Kosten für den Vollschutz sind dabei noch nicht eingerechnet. Das macht rund 64 Millionen Euro pro Kilometer und entspricht einer Kostensteigerung von quasi 100 Prozent.

„Das ist schon ein starkes Stück der Bahn, wir fühlen uns da als Bürger verschaukelt“, kritisiert Roland Diehl und erinnert an die von den Bürgerinitiativen erarbeitete optimierte Kernforderung (OKF) 6, die einst wegen zu hoher Kosten abgelehnt wurde. „Die Bahn hat ihre Lösung schön- und unsere schlechtgerechnet, aber die wahren Zahlen kommen jetzt ans Licht, wo sie in Verhandlungen mit dem Bund einsteigt.“ Die Lösung der BIs sei laut eigener Aussage günstiger als die aktuelle Planung der Bahn. Gerhard Kaiser, Ingenieur und Vorstandsmitglied bei MUT, kündigt unterdessen eine „schlanke OKF 6 an, in rund drei Wochen werden wir diese präsentieren“.

In einem offenen Brief an die südbadischen Bundestagsmitglieder haben die Bahnkritiker nun um weitere politische Unterstützung gebeten. „Bevor bauliche Tatsachen geschaffen werden, müssen diese Dinge geklärt sein“, fordert Roland Diehl.

Die Deutsche Bahn antwortete in dieser Woche auf Nachfragen mit dem Verweis auf eine Pressekonferenz am kommenden Dienstag.

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