22.09.2019 Konstruktives Miteinander

Quelle: https://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/konstruktives-miteinander-x1x--177498571.html
Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 22. September 2019

Nördlich von Freiburg musste die Bahn komplett neu planen und stößt jetzt auf Akzeptanz – mit wenigen Ausnahmen.

Die Bahn hat in dieser Woche ihre Pläne für den Ausbau der Rheintalbahn zwischen Kenzingen und Malterdingen vorgestellt. Das hatte sie 2006 schon einmal getan und damit einen Proteststurm ausgelöst. Kritik gibt es auch jetzt an den neuen Plänen – aber nur in Detailfragen.

Zurück auf Start hieß es für die Bahn, nachdem die Region ihre Pläne zum Ausbau der Rheintalbahn vehement abgelehnt hatte. Inzwischen hat die Bahn, durch Projektbeirat und Bundestag abgesegnet, neu geplant. Die Pläne können in Riegel seit Ende August eingesehen werden, in dieser Woche stellte die Bahn sie auch in Kenzingen öffentlich vor. Teilnehmer sprechen von einer entspannten Atmosphäre.

Die komplette Neuplanung wurde notwendig, weil die zwei neuen Güterzuggleise aus Lärmschutzgründen entlang der Autobahn und nicht durch die Ortschaften bei der bestehenden Trasse verlegt werden sollen. So wollten es Tausende Bürger in der Region.

Der umstrittenste Bau auf dem 5,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Kenzingen und Malterdingen ist das sogenannte Provisorium, das die Gleise aus Richtung Freiburg entlang der Autobahn mit der bestehenden Strecke bei Kenzingen verbindet. Die 1,2 Kilometer lange Strecke ist aus Sicht der Bahn notwendig, weil der südliche Abschnitt der Ausbaustrecke mindestens fünf bis sechs Jahre früher fertig ist als der nördliche ab Kenzingen. So wird der Zugverkehr aus Richtung Offenburg über das Provisorium auf die Neubaustrecke geleitet – wodurch Kenzingen und Malterdingen frühzeitig vom Lärm der Güterzüge entlastet werden. „Wir haben für das Provisorium die engste Stelle gewählt“, sagt Bernd Dassler, der Leiter der Bahn für den Ausbau der Gesamtstrecke zwischen Karlsruhe und Basel. Georg Binkert von der Bürgerinitiative Bahnprotest kritisiert den Flächenverbrauch dennoch als zu groß. Die BI schlägt einen kleineren Gleisradius vor. Dann könnte die Strecke weitgehend auf einer asphaltierten Straße gebaut werden und der Verbrauch landwirtschaftlicher Fläche wäre entsprechend geringer. Dass die Züge dann höchstens 60 statt 100 Stundenkilometer fahren dürften, ist für Binkert vertretbar. Nicht aber für die Bahn. Denn dann müssten die Züge bereits vor dem Abbiegen auf das Provisorium abbremsen, davon wäre auch der ICE-Verkehr betroffen, gibt Christoph Klenert, der Leiter der Außenbeziehungen des Bauprojekts, zu Bedenken.

Auch wenn es sich um ein Provisorium handelt, so müssten die Gleise ebenso solide verlegt werden wie für jeden anderen Bau – und mit den vorgeschriebenen Lärmschutzwänden versehen werden, sagt Dassler. Das wiederum weckt den Argwohn der Kritiker: Vielleicht erweist sich das Provisorium später als dauerhaft? Die Bahn dementiert solche Überlegungen. Alleine weil die bestehende Strecke bei Kenzingen ab 2036 für Überholvorgänge vierspurig ausgebaut werden soll, müsste das Provisorium weichen, sagt Klenert. Überzeugen wird die Bahn ihre Kritiker aber wohl erst mit dem Rückbau, der ab 2036 erfolgen soll. Südlich des Provisoriums ist ein weiteres Verbindungsstück der Güterzuggleise an der Autobahn und der bestehenden Strecke nördlich von Malterdingen geplant. Hier sollen Güterzüge mit dem Ziel Freiburg Hauptbahnhof von der Autobahnparallele abbiegen können – der übrige Güterzugverkehr umfährt die Freiburger Bucht entlang der Autobahn. Diese Strecke soll 2035 in Betrieb gehen.

Ginge es nach der BI, die mit Vertretern der Bahn und Behörden regelmäßig die Pläne bespricht, dann würden vier statt nur zwei Gleise für Güter- und Schnellzüge an die Autobahn verlegt werden. Dann müssten statt 115 nur 65 Brücken abgerissen und neu gebaut werden und die Strecke wäre sechs Jahre früher fertig, rechnet Binkert vor. 2008 habe dies die Bahn schon einmal geplant. Ob sie jetzt aber noch zu so einer großen Änderung bereit ist, ist fraglich.

Folgen hat die Autobahnparallele auch für vier Parkplätze an der A 5. Weil die Bahn nicht jedes Mal einen Bogen um die Rastplätze bauen will, werden sie überbaut. Dafür wird der Parkplatz Ziegelei bei Kenzingen nach Norden verschoben und zu einer Haltestelle mit WC und mehr als 60 Parkplätzen ausgebaut. Die Idee zur Verlegung stammt von der BI. Die lobt denn auch die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Stimmung sei insgesamt entspannt, sagt Binkert. Das zumindest lässt sich für die Gemeinden rechts der Autobahn sagen. Etwas schwieriger ist es in Riegel. Durch die näherrückende Bahn wird der Lärm dort zunehmen. Er liege aber weit unter der vorgeschriebenen Grenze, betont Dassler. Auch, dass das Provisorium auf Riegeler Gemarkung gebaut wird, behagt nicht jedem.

Zu den Kosten in einzelnen Abschnitten will sich die Bahn nicht äußern. Damit zieht sie Konsequenzen aus der hitzigen Debatte im Abschnitt Müllheim/Auggen, wo Kritiker die Zahlen nach Beobachtung der Bahn verdrehten.

Visualisierung der Neubaustrecke: http://www.mehr.bz/6iyp3y http://mehr.bz/6iyp3y
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