20.09.2019 Lahr Bahn steht zum Güterterminal

Quelle: https://www.lahrer-zeitung.de/inhalt.lahr-bahn-steht-zum-gueterterminal.c7ec9c4d-13d5-459e-9b17-32944428d7db.html
Jörg Braun und Felix Bender,  20.09.2019 – 18:28 Uhr

Die Deutsche Bahn AG steht einem Güterverkehrsterminal zwischen Autobahn und Flughafen sehr positiv gegenüber. Das erklärte der Landeschef der Bahn im LZ-Gespräch. Jetzt müssten die Pläne für das Mega-Projekt konkreter werden.

Lahr/Mahlberg. Am Rande eines Gesprächs zum Thema Rheintalbahn, das der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner am Freitag in Mahlberg organisiert hatte, nahm Torsten Krenz Stellung zum aktuell diskutierten Güterverkehrszentrum (GVZ). Er ist Konzernbevollmächtigte der Bahn für Baden-Württemberg, also der ranghöchste Bahnchef im Land.

„Aus Sicht der Bahn ist das ein sehr interessantes Projekt, an dem wir großes Interesse haben“, erklärte Krenz gegenüber unserer Redaktion. Über die Pläne der Stadt Lahr und der IGZ am Flughafen habe er sich schon persönlich in Lahr informiert. Aus seiner Sicht müsse Lahr nun „Fleisch an den Knochen“ bringen, sprich: das Konzept eines solchen Verladezentrums für Schiene und Lastwagenfracht konkreter ausarbeiten. Wer soll es betreiben? Für welche Mengen soll es ausgelegt sein? All das sei nun zu klären. Die Bahntochter Cargo werde sicher mitmachen, aber nicht als Betreiber des Terminals. Im OB-Wahlkampf hatte das GVZ teils für Diskussionen unter den fünf Kandidaten gesorgt. Nicht alle stehen ihm uneingeschränkt positiv gegenüber.

Beim „Bahn-Gipfel“ im Mahlberger Rathaus mit Bürgermeistern der Region und Bürgerinitiativen-Sprechern kamen zahlreiche weitere Themen auf den Tisch: (Zwischen-)Lösung für Europa-Park: Nächster Halt 2042? Der Wunsch nach einem ICE-Halt in Ringsheim lässt sich logistisch aktuell nicht darstellen. Der Zug ist schlicht zu lang für den kleinen Bahnhalt. Um die Europa-Park-Besucher zeitnah von der Straße auf die Gleise zu bekommen, bemühe man sich um eine Interimslösung. Konkret: Am 15. November soll es in Rust ein Gespräch geben, „bei dem wir ausloten wollen, was möglich ist“, so Krenz. Eine Rolle sollen Offenburg und Freiburg spielen. Von dort könnte der Fernverkehr per Shuttles an den Park angebunden werden.

Debatte um Überholgleise: Um den ICE mit Tempo 250 über die Rheintalbahn  jagen zu können, sollen zwischen Orsch­weier und Kenzingen 12,6 Kilometer lange Überholgleise an die Bestandsstrecke gelegt werden. „Geht es nicht kürzer und nicht auf Höhe der Wohnbebauung?“, fragte Fechner. Nein, sagt Bahnchef Krenz. „Außer Sie wollen, dass wir die 13 Bahnhalte entlang der Strecke auf acht reduzieren.“ Für den ICE strebe man einen 30-Minuten-Takt an. Um den Nahverkehr dabei nicht auszubremsen, müsse es eine Überholmöglichkeit geben – und zwar auf halber Strecke zwischen Offenburg und Freiburg. A 5 keine Option : Und warum legt man die Überholgleise nicht an die Autobahn? Hauptsächlich wegen des Naturschutzes. Bahn-Projektleiter Sven Adam: „Wir müssen an der A 5 durch zwei FFH-Gebiete.“ Das sei mit der jetzigen Planung schon „risikobehaftet, weiteren Gleise wären schlicht unmöglich“. Hinzu kommt, das wurde bei den Wortmeldungen deutlich: Die Städte und Gemeinden an der Autobahn wären alles andere als erfreut über diese Idee. Ihre Betroffenheit würde weiter steigen. Außerdem machte Fechner klar: „Der Bundestagsbeschluss 2016 war ein Kraftakt. Wenn ich jetzt noch mal komme mit Änderungswünschen, kriegen die einen Krampfanfall.“ Unmut über siebtes und achtes Gleis: An der Autobahn sind ohnehin weitere Überholgleise geplant – für den Güterverkehr. Was zunächst als Provisorium während des Ausbaus der Rheintalbahn gedacht war, ist mittlerweile Fixpunkt im Konzept der Bahn. Für Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber „ist das nicht akzeptabel“. Es wären Gleis sieben und acht, die seinen Ort durschneiden. Man brauche die weiteren Gleise aus Kapazitätsgründen, so Adam. „Sonst haben wir überall Überholgleise, nur in diesem Gebiet nicht.“

Keine Tieferlage: Der Bau der Gleise an der Autobahn stelle die Verantwortlichen vor große logistische Herausforderungen, erklärte der Projektleiter. „In dem Gebiet gibt es viele Fließgewässer Richtung Rhein“. Die Frage: Drüber oder drunter durch? Die Antwort: Drüber. Denn drunter durch „würde bedeuten, dass wir richtig runter müssten“. Das würde Flächen fressen und mehr Geld kosten. Deshalb ist der Plan von Tieferlagen derzeit vom Tisch

Offenburger Tunnel 2035: Zwei neue Bahn-Röhren werden Offenburg untertunneln. Baustart sei 2024, Fertigstellung 2035. Es seien mit neun und elf Kilometer Länge die bundesweit derzeit längsten geplanten Tunnel der Bahn.

Der „Bahn-Gipfel“, den Johannes Fechner angekurbelt hatte, soll nicht das letzte Zusammentreffen zwischen Bahn-Verantwortlichen, Rathauschefs und den Bürgerinitiativen gewesen sein. Alle Seiten zeigten Gesprächsbereitschaft. Nur ein offener Austausch bringe alle weiter. Ein konkretes Datum für einen nächsten Termin in diesem Kreis wurde allerdings am Freitag nicht ausgemacht.

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