23.12.2018 Mittelrheintal ist nicht ausgelastet

Quelle: https://www.wiesbadener-tagblatt.de/lokales/rheingau/eltville/mittelrheintal-ist-nicht-ausgelastet_19855272#
vor 6 Tagen

Das Bundesverkehrsministerium erläutert, warum der Bedarf für Alternativstrecken nicht vordringlich ist.

Es werden mehr Güterzüge durchs Rheintal fahren, das streitet das Bundesverkehrsministerium nicht ab. Archivfoto: RMB/Heinz Margielsky

Es werden mehr Güterzüge durchs Rheintal fahren, das streitet das Bundesverkehrsministerium nicht ab. Archivfoto: RMB/Heinz Margielsky

RHEINGAU – (bad). Die Gründe dafür, dass die Neubaustrecke Troisdorf-Mainz-Bischofsheim im Bundesverkehrswegeplan nicht in den „Vordringlichen Bedarf“ hochgestuft wurde, hatte die Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gefordert. Sein Ministerium hat sie nun, weit detaillierter als in den ersten Verlautbarungen, weitergegeben. Der Tenor bleibt: Das Mittelrheintal hat noch Kapazitäten frei. Überzeugend findet die BI die Ausführungen nicht.
„Ersatzstrecke erleben viele nicht mehr“
Karl Ottes, Sprecher des Rheingaubunds gegen Bahnlärm, findet die Antwort mehr als ernüchternd. „Wir sollten ehrlich sein. Die meisten Mitstreiter in den Bürgerinitiativen und auch die Betroffenen werden eine Ersatzstrecke – wenn sie denn überhaupt kommt – nicht mehr erleben“, erklärte er in einem Schreiben an die BI. Sein Vorschlag – der aber, so sagt er selbst, auch ein falscher Gedanke sein könne – ist: „Wir sollten zwar die Hoffnungen auf Verbesserungen nicht aufgeben. Wir sollten aber auch keine besonderen Erwartungen mehr bei den Bahnanliegern wecken.“ So wie sich Politik und die Verantwortlichen bei der Bahn verhielten, drohe die Gefahr, dass auch diejenigen, die sich gegen Bahnlärm einsetzen, eines Tages nicht mehr ernstgenommen würden.
Wie hoch der Wert des Kosten-Nutzen-Verhältnisses (NKV) für die Alternativtrasse für den Güterverkehr durchs Mittelrheintal exakt war – das entscheidende Kriterium für den Aufstieg eines Projekts in den „Vordringlichen Bedarf“ – verriet das Bundesverkehrsministerium nicht. Nur so viel, dass er unter eins lag, dem Schwellenwert. Bei der gutachterlichen Bewertung würden Lärmschutzmaßnahmen berücksichtigt, machten aber nur einen Teil des Gesamtergebnisses aus. Um den Neubau einer Güterstrecke wirtschaftlich begründen zu können, müsse sich das Verkehrsaufkommen des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene im Mittelrheintal etwa um den Faktor 10 über die bis 2030 prognostizierten Zugzahlen hinaus erhöhen. Für das bis 2030 erwartete Wachstum im Schienenverkehr weisen die rechts- und linksrheinischen Strecken im Mittelrheintal ausreichend Kapazitäten auf, heißt es im Schreiben des Ministeriums an die BI. Verwiesen wird zudem auf die Strecke Köln/Hagen-Siegen-Gießen-Hanau, die im „Vordringlichen Bedarf ist“ und das Rheintal um rund 20 Züge pro Tag entlasten könne, weil sich die Fahrt auf der Strecke von den Nordseehäfen nach Südosteuropa so um 40 Kilometer verkürze. Verwiesen wird auch auf die Lärmschutzmaßnahmen im Mittelrheintal, für die seit 1999 insgesamt 65 Millionen Euro investiert worden seien. Weitere 112 Millionen Euro sind für Lärmschutz bewilligt. Die Umsetzung der Maßnahmen hat begonnen.
Dass die Kapazitäten der Strecken im Mittelrheintal eines Tags erschöpft sein könnten, bestreitet das Ministerium nicht. Wann dieser Zustand erreicht sei, könne zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht eingeschätzt werden. Wegen der „außergewöhnlich langen“ Planungs- und Realisierungszeiten einer solchen Alternativstrecke hatte das Ministerium, wie berichtet, vorgeschlagen, zeitnah eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Das Verkehrsministerium müsse zunächst den Untersuchungsrahmen festlegen. Zum zeitlichen Ablauf der Machbarkeitsstudie könne gegenwärtig keine Auskunft gegeben werden.
Die BI findet die Auskünfte wenig befriedigend. Wann die Machbarkeitsstudie überhaupt auch nur in Auftrag gegeben werden kann, sei weiter ungewiss. Verschwiegen werde der exakte NKV-Wert. Der Hinweis, dass irgendwann 20 Züge pro Tag weniger durch das Rheintal fahren, sei auch wenig tröstlich, wenn zuvor längst mehr und längere Züge durch das Mittelrheintal ratterten. Die zahlreichen Baustellen an den Rheinhängen zur Sicherung der Bahnstrecke sprechen nach den Worten Ottes eine deutliche Sprache. Hier werde die Trasse mit Millionenaufwand präpariert und das Landschaftsbild des Weltkulturerbes grundlegend verändert. Die 112 Millionen Euro für weitere Lärmschutzmaßnahmen seien auch noch lange nicht umgesetzt. Es bleibe zu hoffen, dass die Umrüstung lauter Güterzüge auf Verbundstoffsohlen und das Verbot lauter Güterwagen ab Ende 2020 auch tatsächlich realisiert werde.
Dieser Beitrag wurde unter Presse-Blog Rheintalbahn veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s