04.11.2018 Kritik am Klappern

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/muellheim/kritik-am-klappern--158780753.html

Von Daniel Ruda

So, 04. November 2018

Müllheim

Der Sonntag Rheintalbahn Deutsche Bahn wehrt sich gegen Vorwürfe aus dem Markgräflerland.

Nachdem in der Vorwoche Bürgerinitiativen harsche Kritik an der Bahn geübt und den Baustopp des Rheintalbahn-Abschnitts zwischen Müllheim und Auggen gefordert hatten, stellte die Bahn in dieser Woche ihre Pläne im Detail vor. Gegen die Kritik der BIs wehrten sich die Verantwortlichen deutlich.

Der Wind pfiff eisig, die Trillerpfeifen laut durch das Auggener Gewerbegebiet. Rund 50 Gegner der Pläne für den Rheintalbahn-Streckenabschnitt zwischen Müllheim und Auggen ließen es sich am Dienstag nicht nehmen, den Pressetermin der Bahn für eine Demonstration zu nutzen. „Falsches Spiel“ stand auf einem Plakat, darunter das Bahn-Logo. „Wir wollen Baustopp“, skandierte die kleine Menge eine Woche nach dem Verschicken eines offenen Briefs an südbadische Bundestagsmitglieder ( Der Sonntag berichtete). Darin wurde der Bahn in ausführlicheren Worten vorgeworfen, was nun maximal zugespitzt auf Laken gesprüht und Pappkarton geschrieben stand. Absender des Briefes: Die beiden Bürgerinitiativen Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) sowie Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse (MUT).

Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, vor allem für Bürgerinitiativen, das weiß man natürlich auch bei der Bahn. „Es ist aber gerade schwierig, an mich zu halten“, sagte Christoph Klenert im Bahnbüro rund eine Stunde, nachdem er sich vor der Tür gemeinsam mit Bahn-Projektsprecher Michael Breßmer den Kritikern gestellt hatte. „Den Vorwurf, dass wir nicht transparent agieren, können wir uns nicht gefallen lassen“, sagte der Leiter der Außenbeziehungen für das gesamte Großprojekt zwischen Karlsruhe und Basel. Die Sachverhalte der Planungen seien allen Beteiligten durch die Sitzungen etwa des regionalen Begleitgremiums stets bekannt gewesen. Und die Behauptung der BIs, die Gesamtinvestitionen von 385 Millionen Euro seien eine hundertprozentige Kostensteigerung, entbehre jeglicher Grundlage. Von außen ist es nach all den Jahren dieses Streits weiterhin nur schwer nachzuvollziehen, welche Seite mit welchen Zahlen rechnet. Standard ist jedenfalls, dass es jeweils unterschiedliche sind.

„Das ist, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen“, sagte Christoph Klenert jedenfalls aus Sicht der Bahn und führte aus, man könne die aktuelle Zahlen nicht mit denen aus einer drei Jahre alten Planungsvariante vergleichen, in der mit pauschalen Ansätzen gearbeitet wurde. Inzwischen habe eine natürliche Preissteigerung stattgefunden, zudem seien mögliche Risiken sowie auch die Kosten des übergesetzlichen Schallschutzes, dem sogenannten Vollschutz, eingerechnet.

Auch in dieser Angelegenheit wehrten sich die Bahnverantwortlichen gegen die Anschuldigungen der BIs, die in ihrem Brief von „Markgräfler Mauern“ sprachen, welche die Bahn in Höhe von nahezu sieben Metern hochziehen wolle. „Wir werden nicht gegen den Willen der Bürger Galerien errichten“, betonte Michael Breßmer, der Projektsprecher der Bahn. Mit den bislang geplanten Lärmschutzmaßnahmen von zwei bis vier Meter hohen Lärmschutzwänden auf 3,8 Kilometern der Strecke im Bereich Müllheim und von 2,5 bis 5,5 Meter hohen Wänden auf den restlichen 4,2 Kilometern im Bereich Auggen können bei rund 1 500 betroffenen Haushalten die Lärmgrenzwerte einhalten. Bei etwas mehr als 100 Haushalten werden die Grenzwerte nicht eingehalten, hier geht es nun um die Frage des sogenannten Vollschutzes.

Strecke führt vor allem durch Industriegebiete

Der Vollschutz beinhaltet in der Tat rund 6,90 Meter hohe Lärmschutzwände, durch die Grenzwerte auch bei offenen Fenstern direkt an der Strecke eingehalten würden. Der Bund würde die Kosten von 23 Millionen Euro tragen, ein eigener Planfeststellungsbeschluss müsste dafür dann her. Ob es so weit kommt, hängt indes von den betroffenen Kommunen und Anwohnern ab, mit diesen wollen die Bahnverantwortlichen bis Anfang 2019 eine Entscheidung treffen. Michael Breßmer sprach auch das Dorf Eimeldingen mit seinen rund vier Meter hohen Lärmschutzwänden an, das die BIs als abschreckendes Beispiel nennen. „Auch das ist nicht zu vergleichen, dort geht die Wand durchs Wohngebiet. In Müllheim und Auggen liegt der Stadtkern woanders.“ Der Löwenanteil des PfA 9.0 ziehe sich schließlich durch Industriegebiete und nur kleinen Teilen an Mischgebieten und besonderen Wohngebieten.

Der eigentliche Grund der Pressekonferenz war da bereits abgearbeitet. Die Bahn hatte ausführlich darüber berichtet, wie die nächsten Jahre ablaufen sollen. Im Januar beginnen die bauvorbereitenden Maßnahmen in diesem Planfeststellungsabschnitt 9.0, insgesamt sieben Jahre sollen sie dann „im laufenden Betrieb“ ohne Schienenersatzverkehr in Anspruch nehmen. Im Bereich Müllheim rollen Mitte Februar die Bagger für die Eisenbahnüberführung an der Hügelheimer Runs an, im Bereich Auggen geht es wenige Tage später mit der Straßenüberquerung Fischerpfad los.

In östlicher Lage zur bestehenden Rheintalbahn werden danach zwei neue Gleise gebaut. Im Bereich Auggen werden alle vier Gleise neu gebaut, die zwei Gleise der Neubaustrecke für schnellere Personenverkehrszüge werden dabei auf dem alten Trassenbereich der Rheintalbahn realisiert. Der Haltepunkt Auggen sowie der Müllheimer Bahnhof werden komplett umgebaut, Letzterer ab 2021.

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