06.06.2018 Unter Offenburg werden 20 Kilometer Tunnel gebaut – für die Güterzüge

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/unter-offenburg-werden-20-kilometer-tunnel-gebaut-fuer-die-gueterzuege--153294340.html
Franz Schmider

Von Franz Schmider

Mi, 06. Juni 2018 um 08:42 Uhr

Südwest

Die Bahn legt ihre Pläne für den Ausbau der Rheintalbahn in der Ortenau vor. Unter Offenburg sollen 20 Kilometer Güterzugtunnel gebaut werden – und im Jahr 2035 in Betrieb gehen.

20 Kilometer Tunnel in zwei getrennten Röhren, so sieht die Planung für den Bau des Eisenbahntunnels in Offenburg aus. Die beiden Röhren verlaufen in einem abgeflachten S-Schwung unter nicht oder nur schwach bebautem Gebiet.

Im Norden erfolgt der Anschluss an die bereits auf vier Gleise erweiterte Trasse der stark frequentierten Rheintalbahn, auf der neben dem Nahverkehr aktuell pro Tag 190 Güterzüge und 60 ICE-Züge durch die Stadt fahren. Dort müssen für das Ein- und Ausfädeln der Gleise mehrere Tröge und Unterquerungen gebaut werden. Im Süden endet der Streckenabschnitt unmittelbar neben der Autobahn. Nach den Beschlüssen des Projektbeirates soll die neue Bahntrasse, eine reine Güterverkehrsachse, östlich der A5 verlaufen. In den kommenden Wochen will das Unternehmen die Pläne bei verschiedenen Veranstaltungen der Öffentlichkeit präsentieren. Am Dienstagabend fand die erste Vorstellung in Offenburg statt.

Zwei Tunnelbohrmaschinen

Die beiden Röhren sind mit elf beziehungsweise neun Kilometern unterschiedlich lang, was in erster Linie an den Besonderheiten der Nordeinfahrt liegt. Geplant sind sie mit einem Durchmesser von acht Metern, für den Bau kommen zwei Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Der tiefste Punkt liegt 25 Meter unter dem Niveau der Oberfläche. In der Regel verläuft die Trasse parallel in einem Abstand von 29 Metern.

Im Süden müssen die beiden Röhren wegen der engen Platzverhältnisse zwischen einem Gewerbegebiet und der Autobahn auf zehn Metern aneinander herangeführt werden. Dort tangiert der Tunnel zudem einen See. Für die Sicherheit sollen in einem Abstand von 500 Metern Querverbindungen gebaut werden, um einen Wechsel von einer Röhre in die andere zu ermöglichen. Weil dies im nördlichen Abschnitt nicht machbar ist, müssen dort separate, ebenerdige Rettungsplätze angelegt werden.

Erfolg für die Bürgerinitiativen

Keine Angaben macht die Bahn bisher zu den Kosten. Diese seien in diesem frühen Stadium der Planung nicht seriös zu ermitteln, erklärte der für den Streckenabschnitt zuständige Planer Sven Adam bei der Vorstellung der Pläne. Dass der Güterverkehr in Offenburg künftig nicht mehr durch den Bahngraben, der die Stadt durchschneidet, rollt, sondern in einem Tunnel die Stadt unterquert, ist ein Erfolg für die Bürgerinitiativen in der Region. Denn nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens deutete alles darauf hin, dass die sogenannte „Antragstrasse“ der Bahn realisiert, das heißt, die alte Strecke ausgebaut werden würde. Nach massiven Protesten erklärte das Regierungspräsidium Freiburg den Abschnitt Offenburg aber im Planfeststellungsverfahren für nicht genehmigungsfähig. Allein für den Abschnitt Offenburg hatte es 46 000 Einwendungen gegeben.

Auch weiter im Süden führte der Protest zu Umplanungen. So wird südlich von Freiburg wie von den Bürgerinitiativen verlangt die Trasse in Tieflage gebaut, im Bereich der Freiburger Bucht wird der Lärmschutz auf „Vollschutz“ verbessert, was über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Das heißt: In keinem Fall dürfen die Lärmwerte so hoch sein, dass die Grenzwerte nur eingehalten werden können, wenn Schallschutzfenster zum Einsatz kommen. So hat es der Bundestag im Januar 2016 beschlossen.

Land und Bund teilen sich die Zusatzkosten

Der Beschluss machte Umplanungen in mehreren Abschnitten erforderlich, mit diesen geht die Bahn in diesen Wochen in die Offenlage. Die größten Veränderungen gibt es dabei im Bereich direkt im Anschluss an den Offenburger Tunnel. Denn die Trasse soll bis Riegel nicht wie ursprünglich vorgesehen durch den Ausbau des Bestandsstrecke erweitert werden. Vielmehr wird eine neue Strecke direkt östlich der Autobahn gebaut. Die vorbereitenden Arbeiten sind erst angelaufen, vor 2021 ist nicht einem Planfeststellungsverfahren zu rechnen. Wichtig ist dabei auch die Frage, ob und wann die Autobahn auf sechs Spuren ausgebaut wird, um die beiden Großprojekte aus einem Guss zu realisieren.

Die Zusatzkosten für den Bau dieser Variante in Höhe von 560 Millionen teilen sich Bund und Land (223 Millionen). Hingegen wird der Bau des Offenburger Tunnels allein aus dem Bundeshaushalt finanziert. Den Tunnel in Offenburg will die Bahn 2035 in Betrieb nehmen.

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