27.05.2018 Zwischen Kritik und Konsens

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/bad-krozingen/zwischen-kritik-und-konsens--153001098.html
Daniel Weber

Von Daniel Weber

So, 27. Mai 2018

Bad Krozingen

Der Sonntag Die Bürgerinitiative MUT und die Reaktion auf die neuen Pläne zur Rheintalbahn.

Die Deutsche Bahn hat ihre Planungen für den Ausbau der Rheintalbahn im Abschnitt Bad Krozingen bis Hügelheim vorgestellt. Die Markgräfler Bürgerinitiative MUT macht darin viel Gutes, aber auch einige „Fallstricke“ aus.

Sogar drei Päpste. Und zahlreiche Wechsel von Ansprechpartnern in politischen Ämtern sowieso. Das alles habe die Bürgerinitiative MUT (kurz für: Mensch und Umwelt schonende schonende DB-Trasse Nördliches Markgräflerland) seit ihrer Gründung im Jahr 2003 schon erlebt beziehungsweise überlebt, schwang sich der erste Vorsitzende Roland Diehl am Freitagabend in einem Klassenzimmer der Bad Krozinger Max-Planck-Realschule am Ende der monatlichen Sitzung zu einem augenzwinkernden Schlusswort auf. „Aber wir sind noch immer da“, endete Diehl. Die 25 anwesenden Mitglieder klatschten gut gelaunt, nachdem die Bahnpläne zur sogenannten Bürgertrasse zwischen Bad Krozingen und Müllheim das große Thema des Abends waren.

Ein paar Tage zuvor reichte ein Schulklassenzimmer bei weitem nicht aus, als es ebenfalls um den rund zwölf Kilometer langen Planfeststellungsabschnitt 8.4 der Ausbaustrecke zwischen Bad Krozingen und Müllheim ging. In der vollbesetzten Winzerhalle in Seefelden stellte die Deutsche Bahn im Rahmen der „Frühen Beteiligung der Öffentlichkeit“ ihre Pläne vor. Ein Film zeigte ein neunminütige visualisierte Fahrt auf der neuen Strecke mitsamt deren zahlreichen Details. Im südlichen Abschnitt im Bereich Buggingen führt die Trasse durch das Vogelschutzgebiet Bremgarten. Der Anschluss an die bestehende Rheintalbahn erfolgt kreuzungsfrei im Bereich Hügelheim. Kreuzungsfrei bedeutet, dass in diesem Bereich durch sogenannte Überwerfungsbauwerke die von und nach Freiburg verkehrenden Personenzüge unter dem Güterverkehr hindurchgeführt werden. Diese Bauwerke erfordern eine Anpassung der bestehenden Rheintalbahn und des Haltepunktes Buggingen, der vollständig neu gestaltet wird.

Das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn zwischen Bad Krozingen und Buggingen wird in teils zehn Metern Tieflage (bei 25 Metern Breite) geführt. Dafür hatte die MUT gemeinsam mit anderen regionalen und politischen Akteuren jahrelang gestritten. „Die Bahn ist noch immer verschnupft, dass sie ihre ursprünglich geplante Trasse um die Ohren bekommen hat“, kommentierte Bernhard Walz, stellvertretender MUT-Vorsitzender am Freitagabend. Ob der nun öffentlichen Pläne jucken indes nun auch in Reihen der Bürgerinitiative die Nasen.

Die Dimension des Knotenpunkts Hügelheim

Vor allem an zwei Dingen äußerten die Vorsitzenden der 6 000 Mitglieder starken Bürgerinitiative Kritik: an der Dimension des sogenannten Hügelheimer Knotens, mit dem die Güterzugtrasse dort wieder aus der Tieflage emporkommt, sich mit der bestehenden Rheintalbahn verknüpft und zwischen Güter-, Fern- und Regionalzügen sortiert. Als „eierlegende Wollmilchsau“, bezeichnete Roland Diehl das geplante Bauwerk. „Es kann alles, die Frage ist aber, ob das so nötig ist“, es würden schließlich auch vier Gleise reichen, so der MUT-Vorschlag, der vorsieht, dafür die Geschwindigkeit des ICE auf 230 Stundenkilometer zu reduzieren. Dadurch könnten die östlichen Neubaugleise für den ICE entfallen und Punktüberholungen im Bahnhof Müllheim erfolgen. „Alle halbe Stunde fährt in Müllheim ein ICE durch den Bahnhof, es muss doch möglich sein, da auch den Regionalverkehr reinzubekommen“, sagte Gerhard Kaiser, ebenfalls MUT-Vorstandsmitglied am Freitagabend. „Es muss schlanker gebaut werden“, forderte er. Kaiser war es, der auch das Positive an den Planungen hervorhob: „Wir haben durch die Tieflage den optimalen Lärmschutz erkämpft, egal wie viele Züge da durchgejagt werden.“

Michael Baufeld, Sprecher für Großprojekte bei der Bahn, verwies auf Nachfrage des Sonntag auf die Entscheidung des Projektbeirates als Grundlage für die Gestaltung Hügelheimer Knoten: „Es gibt zu der vorliegenden Planung keine sinnvollen Alternativen, ohne Reduzierung der betrieblichen und kapazitiven Leistungsfähigkeit.“

Der Begriff Leistungsfähigkeit kann auch für den zweiten großen Kritikpunkt an den Bahnplänen herhalten, fürchten doch vor allem die Landwirte während der veranschlagten siebenjährigen Bauzeit um ihre eigene. Insgesamt rund 200 Hektar groß ist der komplett landwirtschaftlich genutzte Bereich, in dem die Bauarbeiten einmal stattfinden werden, bei denen 4,5 Millionen Kubikmeter an Bodenaushub, vor allem Kies, anfallen. „70 Hektar gehen völlig verloren, der Rest wird temporär für die Baustellenlogistik in Anspruch genommen und soll danach rekultiviert werden“, so Roland Diehl. Was dies für die Landwirtschaft bedeute, habe die Bahn nicht komplett auf dem Schirm, „wir müssen ihr dabei helfen“. Und die Bauern müssten sich für ihre Entschädigungen einsetzen. Die Bahn will mit einem „Baustraßenkonzept“ dafür sorgen, dass die Belastungen für die angrenzenden Gemeinden nicht zu hoch werden. Bis 2022 will die Bahn den Feststellungsbeschluss erreicht haben.

„Es geht langsam seinen Gang, in meinen Augen zu langsam“, sagte Roland Diehl am Freitag und erinnerte sich an die Gründung der Bürgerinitiative vor 15 Jahren. Damals habe es geheißen, 2012 könnten die ersten Züge durch das Markgräflerland fahren. „Wenn alles gut läuft, und irgendwann mal Konsens da ist, wird es wohl 2032 so weit sein, bis wirklich die ersten Züge fahren,“ so Diehl. Die MUT will dann „immer noch da“ sein.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Presse-Blog Rheintalbahn veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s