18.05.2018 DB stellt Pläne für Rheintalbahn im Markgräflerland vor

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/bad-krozingen/db-stellt-plaene-fuer-rheintalbahn-im-markgraeflerland-vor--152763699.html
Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 18. Mai 2018 um 16:11 Uhr

Buggingen

Die Deutsche Bahn plant die Tieflage der neuen Rheintalbahn zwischen Bad Krozingen und Buggingen – wie von der Region gewünscht. Dennoch reagierten viele Bürger bei einer Infoveranstaltung entsetzt.

Wie von der Region gewünscht und erstritten wird die neue Güterzugtrasse – das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn – zwischen Bad Krozingen und Buggingen in Tieflage geführt. Bei der Informationsveranstaltung der DB im Zuge der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung für den Abschnitt 8.4 am Donnerstagabend in Seefelden wurden nun die Pläne anschaulich gemacht. Wirklich glücklich ist man im Markgräflerland dennoch nicht: Vor allem der Knoten Hügelheim liegt der Region schwer im Magen.

Die Bahn hat sich alle Mühe gemacht, um einen guten Eindruck zu hinterlassen und den Besuchern das Gefühl zu geben, umfassend informiert zu werden – auch wenn, das wurde gleich zu Anfang betont, sich das Verfahren für den Panfeststellungsabschnitt 8.4. noch in einem frühen Stadium befindet. (Den Planfeststellungsbeschluss will die Bahn bis 2022 erreichen.) Das Podium in der voll besetzten Winzerhalle in Seefelden war gut bestückt mit hochrangigen Ingenieuren der DB und die zogen denn auch alle Register moderner Präsentationskunst, um die Planungen anschaulich zu machen. Neben übersichtlich aufbereiteten Plänen standen 3D-Visualisierungen im Zentrum der Präsentation, die schließlich in einen Film mündeten, der eine virtuelle Mitfahrt auf der Neubautrasse ermöglichte.

Visualisierung der Pläne für die Rheintalbahn im Markgräflerland

Quelle: DB Netz AG – Bahnprojekt Karlsruhe-Basel

Die Begeisterung in der Winzerhalle hielt sich dennoch in Grenzen. Spätestens zu Beginn der Fragerunden und des allgemeinen Austauschs wurde deutlich, dass viele Menschen in der Region weiterhin mit den Plänen der Bahn zum Bau des dritten und vierten Gleises hadern. Vor allem zwei Knackpunkte kristallisierten sich heraus: Die Dimensionen des künftigen Knotens Hügelheim sowie die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen, nicht zuletzt auch während der geschätzt sieben Jahre währenden Bauarbeiten. Daneben wurden auch Bedenken bezüglich der geplanten Lärmschutzmaßnahmen laut.

Tieflage

Der knapp 12 Kilometer lange Planfeststellungsabschnitt 8.4 der im Norden ungefähr auf der Höhe zwischen Schlatt und Tunsel beginnt und im Süden zwischen Hügelheim und Müllheim endet, soll zusammen mit den nördlich gelegenen Abschnitten 8.3 und 8.2 bis zum Mengener Tunnel in Tieflage gebaut werden. In diesem Bereich wird die Neubautrasse auch separat von der alten Rheintalbahn geführt. Zwischen Buggingen und Hügelheim dann taucht die Neubaustrecke wieder aus der Tieflage herauf und verknüpft sich mit der bestehenden Rheintalbahn. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Die Tieflage der Güterzugtrasse gehörte als Kernforderung 4 zu dem unter dem Stichwort „Baden 21“ subsumierten Forderungskatalog der Region zwischen Offenburg und Basel, der in einem harten Ringen zwischen Bahn, Bund, Land und regionalen Vertretern über das Instrument des Projektbeirats weitgehend umgesetzt werden konnte. Bei der Präsentation am Donnerstag wurde deutlich, dass es sich bei der Tieflage in der Tat um ein ziemlich aufwändiges Projekt handelt.

Der Trog für die Züge verläuft in etwa 10 Metern Tiefe, er ist auf Gleisniveau etwa 11 Meter breit und erweitert sich nach oben hin bis auf eine Breite von rund 24 Metern. Die eigentliche Baugrube muss allerdings dreimal so breit ausgehoben werden, zudem braucht es Raum für Zufahrten und die Lagerung des Aushubs. Daraus resultiert laut den Plänen der Bahn für den Trog während der Bauphase eine Schneise in der Rheinebene mit einer Breite von 126 Metern.

Das bereitet vor allem in Kreisen der Landwirtschaft erhebliche Bauchschmerzen. Entsprechend betrafen etliche Wortmeldungen die Frage, ob die Dimensionen für die Baustelle denn wirklich so groß sein müssten, und es gab Appelle an die Bahn, doch so Flächen sparend wie nur irgend möglich vorzugehen.

Doch auf die Landwirte kommt noch mehr zu: Es wird eine Flurneuordnung geben, die Beregnungssysteme müssen neu angepasst und die Querung der Bahntrasse mit Wirtschaftswegen gewährleistet werden. Hier verspricht die Bahn, den Status Quo zu erhalten – sowohl, was die Wirtschaftswege betrifft als auch die allgemein befahrenen (Kreis-)Straßen. Zudem sollen zwei breitere Landschaftsbrücken in diesem Abschnitt erstellt werden, und es gilt, mehrere Bäche über den Gleistrog zu führen.

Knoten Hügelheim

Nach den Plänen der DB kommt zwischen Buggingen und Hügelheim die neue Güterzugtrasse aus der Tieflage wieder an die Erdoberfläche und verknüpft sich mit der Altbaustrecke der Rheintalbahn. Hier geht es darum, Güter-, Fern- und Regionalverkehr so zu sortieren, dass die entsprechenden Trassen mit Blick auf die Haltepunkte und den Katzenbergtunnel angefahren werden können. Die DB will das mit möglichst wenig Weichen, stattdessen mit Unter- und Überführungen erreichen – und sich dabei möglichst viele Optionen offenhalten, was die Führung der Züge anbelangt.

Das Resultat ist ein Bauwerk, das den Besuchern in Seefelden bei der Präsentation mehrfach ein deutliches Raunen abnötigte. Bis zu sieben Gleise werden im Bereich Buggingen/Hügelheim teils neben, teils übereinander geführt. Das hat auch Auswirkungen auf den Haltepunkt Buggingen, der verlegt und viergleisig ausgebaut werden muss, da neben den Regionalbahngleisen noch separate Gleise für den Fernverkehr verlaufen sollen.

Die vorgestellten Pläne lösten in vielen Reihen geradezu Entsetzen und harsche Kritik aus. Der Hügelheimer Ortsvorsteher Martin Bürgelin erklärte sichtlich geknickt: „Alle Wünsche bezüglich der Tieflage wurden erfüllt, aber wir Hügelheimer sollen nun dieses Riesen-Bauwerk schlucken.“ Er appellierte an die Bahn, sich noch einmal mit Vertretern der Region zusammenzusetzen und deren Anregungen ernst zu nehmen. „Es muss eine bessere Lösung geben.“ In die gleiche Kerbe hieb Michael Fröhlin vom BLHV-Kreisverband Müllheim. Das Knotenbauwerk sei im Verlauf der Planungen „aufgegangen wie ein Hefezopf im Backofen“. Für Gerhard Kaiser und Roland Diehl von der MUT ist der Knackpunkt die von der DB anvisierte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ab Buggingen. Würde sich die Bahn davon verabschieden, könnte der Knoten schlanker gestaltet werden und auch der umstrittene südliche Abschnitt 9.0 bis Auggen mit mehr Rücksicht auf die Region gebaut werden. Christoph Klenert von der DB Netze wiederum verteidigte die Bahnpläne als Umsetzung dessen, was von der Politik, etwa im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans, vorgegeben werde. Sollte die Politik zu neuen Vorgaben kommen, werde man entsprechend darauf eingehen.

Lärmschutz

In der Tieflage ist kein weiterer Lärmschutz notwendig, im Bereich des Knotens Buggingen/Hügelheim plant die Bahn auf rund 2700 Metern Schallschutzwände zwischen zwei und sechseinhalb Metern Höhe. Um die Kali-Siedlung in Buggingen vor Lärm zu schützen, soll zudem eine rund 100 Meter lange knapp sieben Meter hohe Schallschutzgalerie entstehen. Außerdem will die Bahn auf sechs Kilometern Gleislänge Schienenstegdämpfer einbauen. Ergebnis dieser Bemühungen wird laut Bahn eine in den besiedelten Gebieten geringere Lärmbelastung als heute sein. Dazu trage auch bei, dass ab Buggingen Richtung Norden keine Güterzüge mehr auf der alten Rheintalbahn fahren werden, erläuterte Bahn-Planer Martin Kastner.

Die frohe Kunde wollten indes nicht alle Besucher in der Winzerhalle glauben. In teils recht rüdem Tonfall erklärten einige Anwesende die Lärmdifferenz-Karten der Bahn zur Makulatur. Man sei, so der kategorische Befund, schon oft genug von der Bahn belogen worden.

Ausführliche Informationen und Unterlagen zu den Bahnplänen, aktuell auch zum Abschnitt 8.4, gibt es online unter http://www.karlsruhe-basel.de Das Visualisierungsvideo der DB gibt’s unter mehr.bz/db-tieflage
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