04.04.2018 Verwunderung über Betonmauer

Jelka Louisa Beule

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/verwunderung-ueber-betonmauer–151153544.html

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 04. April 2018

Freiburg

An der Gemarkungsgrenze zu Umkirch entsteht ein Rückhaltebecken – dessen Begrenzung taugt auch für die neue Bahntrasse.

FREIBURG. Schafft die Bahn bereits Fakten für die Trasse des dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn? Diese Vermutung hatte die Bürgerinitiative Igel bei ihrer Mitgliederversammlung geäußert. Auch Politiker und ein Vertreter der Stadt Freiburg waren verwundert über die große Betonwand, die derzeit nahe dem Mundenhof entsteht. Diese Spekulationen wiederum irritieren den Entwässerungsverband Moos als Bauherren: Tatsächlich bilde die Wand die Kante der neuen Trasse – für das Becken an sich sei sie nicht nötig. Das sei aber seit Jahren bekannt.

An der Gemarkungsgrenze zwischen Freiburg und Umkirch wird derzeit das Hochwasserrückhaltebecken vergrößert. Denn die Anlage, die die Gemeinden Umkirch und Gottenheim vor Hochwasser schützt, entspricht nicht mehr gesetzlichen Standards. Genau an dieser Stelle, zwischen Beckenrand und Autobahn, wird jedoch einmal das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn entlanglaufen. Doch Festsetzungen gibt es noch nicht: Die Pläne für den Freiburger Abschnitt werden der Öffentlichkeit erst Ende des Jahres präsentiert. Umso erstaunter war die „Interessengemeinschaft gegen Lärm und Umweltbelastung“ (Igel) bei ihrer Jahreshauptversammlung über die gigantische Betonwand.

Wenn diese tatsächlich bereits die Begrenzung der Trasse bilde, sei dies „schlechter Stil“ der Bahn, sagte Gerlinde Schrempp, stellvertretende Igel-Vorsitzende und Stadträtin von Freiburg Lebenswert. Auch Wilderich Kalthoff, bei dem in der Stadtverwaltung die Fäden für das Mammutprojekt zusammenlaufen, zeigte sich irritiert. Er habe bereits bei der Bahn nachgehakt, berichtete er. Denn die Stadt Freiburg wolle – genau wie Igel – die Trasse möglichst nah an der Autobahn haben. Doch dann müsse möglicherweise noch eine zweite Betonwand hochgezogen werden, befürchtete Kalthoff. Auch der stellvertretende Bürgermeister von Umkirch, Tom Hirzle, sagte, dass er keine näheren Informationen habe.

Über die Vorgänge bei der Igel-Versammlung kann Walter Laub nur den Kopf schütteln. Er ist Bürgermeister von Umkirch und Vorsitzender des Entwässerungsverbands Moos, den die Gemeinden Umkirch und Gottenheim bilden. Laub findet es verwunderlich, dass niemand Bescheid weiß. Schließlich gebe es die Planungen für das Hochwasserrückhaltebecken seit 15 Jahren, sagt er.

Und ja: Die Betonwand als Teil des Dammes, der das Becken umfasst, bilde die Begrenzung der neuen Bahntrasse, stellt Laub klar. Das sei schon aus Platzgründen gar nicht anders möglich. Zwischen die Autobahn und das Becken würden die beiden geplanten Gleise gerade mal so hineinpassen. Von einer zweiten Betonwand könne also gar keine Rede sein.

In das derzeit entstehende Bauwerk sind sogar schon Vorkehrungen für die späteren Lärmschutzelemente eingebaut. In den nächsten Jahren werden sie allerdings noch nicht gebraucht: Denn der Baubeginn des dritten und vierten Gleises ist zuletzt für 2024/25 prognostiziert worden, die Inbetriebnahme der Strecke für 2031.

Auch die Betonwand an sich wäre im Moment noch nicht nötig gewesen. „Für das Rückhaltebecken hätte ein Erdwall gereicht“, erklärt Laub. Dieser Wall hätte aber fast bis an die Autobahn herangereicht, so dass er einem späteren Gleisbau der Bahn im Weg gestanden hätte. Dann hätte man später noch einmal alles neu machen müssen – was auch keinen Sinn gemacht hätte, meint er. Deshalb habe sich der Entwässerungsverband Moos mit der Bahn darauf geeinigt, dass diese sich finanziell an dem Projekt beteiligt und bereits jetzt die Betonwand hochziehen darf (siehe Info-Box).

Einige Irritationen gab es auch wegen des Genehmigungsverfahrens. Auf Anfragen der Badischen Zeitung spielten sich das Regierungspräsidium, das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald und die Stadt Freiburg die Bälle hin und her – niemand fühlte sich allerdings für das Projekt verantwortlich. Am Ende liefert Walter Laub die Aufklärung: Genehmigungsbehörde sei die Untere Wasserbehörde der Stadt Freiburg.

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