14.02.2018 (Nach Havarien) Bahn reagiert auf Forderung von Anlieger der Rheintalbahn mit Infoabend

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/efringen-kirchen/bahn-reagiert-auf-forderung-von-anlieger-der-rheintalbahn-mit-infoabend–149408809.html

Victoria Langelott, Hannes Lauber, Alexander Huber

Von Victoria Langelott, Hannes Lauber & Alexander Huber

Mi, 14. Februar 2018 um 20:00 Uhr

Efringen-Kirchen

Mehrmals kam es in letzter Zeit zu Havarien von Güterzügen im Dreiländereck. Nun reagiert die Bahn und bietet Anliegern der Rheintalbahn einen Diskussionsabend zu Gefahrgut- und Gütertransporten.

Ärger und Frust über die Bahn haben sich in vielen Gemeinden entlang der Rheintalstrecke angestaut – vor allem aber in Efringen-Kirchen und Bad Bellingen. Ein Grund dafür ist, dass die Inbetriebnahme des Katzenbergtunnels 2012 nicht die erhoffte Entlastung von Güterzügen gebracht hat. Ein zweiter Aspekt sind die in den vergangenen Jahren wiederholt konkret sichtbar gewordenen Risiken der in den Orten abgestellten Gefahrgutzüge.

Der Bahn-Termin

„Wir wollen die Gelegenheit nutzen, mit Bürgern und Anwohnern ins Gespräch zu kommen und einen offenen Austausch zu ermöglichen“, so umreißt die Bahn das Anliegen des Abends, zu dem Sven Hantel, Konzernbevollmächtigter für Baden-Württemberg, Experten der Bahn mitbringt. Vier Stunden sind für die Veranstaltung veranschlagt, die BZ-Redakteur Franz Schmider moderiert. Beide Themen – Tunnelfrage und Gefahrgutabstellen – werden in Inforunden, Podien und Bürgerfragen beleuchtet.

In der ersten Runde zum Gefahrgut sitzen neben Hantel und Stefan Osthoff von der DB-Abteilung Recht und Infrastruktur sowie Eugen Bomsdorf, Leiter des Betriebsbezirks Basel, Philipp Schmid, Bürgermeister von Efringen-Kirchen, der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger und Kreisbrandmeister Christoph Glaisner auf dem Podium. Nach der Pause geht’s mit der Führung von Güterzügen durch den Katzenbergtunnel weiter.

Dann hat Hantel die Bahnfachleute Udo Becker (Leiter Produktionsdurchführung Freiburg), Jürgen Anselm (Leiter Betriebszentrale Karlsruhe) und Harald Born (Leiter Fahrplan) zur Seite. Komplettiert wird das Podium vom CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster, dem Ersten Landesbeamten im Kreis Lörrach Ulrich Hoehler und Roland Diehl von der Bürgerinitiative IG Bohr.

Die Lage in Efringen-Kirchen

Seit Dezember 2012 ist der Katzenbergtunnel in Betrieb, von dem sich Efringen-Kirchen, Istein und Kleinkems eine Entlastung vom Güterzugverkehr erwarteten. Die Enttäuschung folgte auf dem Fuß. Anwohner stellten fest, dass von der Absicht der Bahn, „fast alle Güterzüge nun durch den Tunnel zu lenken“ an manchen Tagen wenig zu merken ist. Instandhaltungsarbeiten, Wartung – immer wieder gibt es Gründe, warum Güterzüge die alte Strecke fahren.

In den vergangenen zwei Jahren verdichtete sich zudem eine alte Sorge: Mitten im Wohngebiet werden Güter- und Gefahrgutzüge mitunter tagelang abgestellt. Das bedeutet nicht nur nächtliche Ruhestörung, Lärm von Kühlaggregaten, Anfahrgeräusche, sondern konkrete Gefahren. Die Havarie am 18. Dezember, als aus einem Kesselwagen die Chemikalie Methylmethacrylat austrat, bestätigte solche Sorgen. Die Haltung der Anwohner ist klar: Sie wollen Gefahrgutzüge nicht in den Wohngebieten stehen sehen.

In zahllosen Mails und Briefen an die Bahn taten sie ihren Unmut kund und wünschen sich von dem Infoabend vor allem Zusagen von Verbesserungen.

Die Lage in Weil am Rhein

Egal ob Güterzüge durch den Katzenbergtunnel oder über die Rheintalstrecke fahren – für Weil am Rhein sind so oder so die Gefahrguttransporte ein Problem. Denn nach einem häufig nötigen Stopp vor der Grenze müssen sie noch einmal kontrolliert werden, und bei dieser Gelegenheit fallen undichte Waggons regelmäßig auf und lösen einen mehr oder weniger großen Feuerwehreinsatz aus.

In diesem Zusammenhang beklagt die Stadt schon seit längerem verschiedene Mängel. Zum einen gibt es auf dem Gelände des Rangierbahnhofs kein Havariebecken, über dem auslaufende Waggons abgestellt werden könnten. Auch eine für Feuerwehreinsätze ausreichende Wasserversorgung ist auf dem Bahnhofsgelände nicht vorhanden. Beides soll nach Ansicht der Stadt nachgerüstet werden. Darüber hinaus wünscht man sich in Weil am Rhein eine bessere Abstimmung der Gefahrguteinsätze mit dem Notfallmanagement der Bahn.

Hier hat sich gezeigt, dass nur ein Notfallmanager der Bahn nicht ausreicht, um alle Anforderungen in kurzer Zeit zu erfüllen. Schließlich ärgert man sich bei der Stadt auch darüber, dass die Rückerstattung der Kosten des Feuerwehreinsatzes umständlich und zeitraubend ist, weil nicht die Bahn, sondern der Versender oder Spediteur verantwortlich sind. Hier wünscht sich die Stadt Weil am Rhein einen zentralen Ansprechpartner bei der Bahn.

Die Lage in Bad Bellingen

Die Briefe, die der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann als Bad Bellinger Bürgermeister an die Bahn geschickt hat, sind kaum zu zählen. Der Hauptkritikpunkt begründete sich zunächst in der Wahrnehmung, dass auch nach Inbetriebnahme des Katzenbergtunnels viele Güterzüge über die alte Strecke und damit durch Dörfer wie Rheinweiler und Bad Bellingen fahren.

Der Kurort hatte große Hoffnungen in den Tunnel gesetzt – zumal die Devise „Alle Güterzüge durch den Katzenbergtunnel“ als Kernforderung 6 in das Positionspapier „Baden 21“ Eingang gefunden hatte, das den Rahmen für den Ausbau der Rheintalbahn zwischen Offenburg und Basel absteckt. Anwohner hofften auf ruhigere Nächte, Hoteliers versprachen Gästen: „Wenn der Tunnel kommt, wird das viel besser.“ Die Wirklichkeit aber sieht anders aus.

Wie viele Güterzüge weiter über die Rheintalstrecke fahren bleibt zwar etwas diffus. Auswertungen von Bahn-Mitteilungen seitens eines Bad Bellinger Bürgers ergaben aber, dass die DB zwischen 2013 und 2016 an bis zu drei Viertel aller Fahrtage Umleitungen um den Tunnel angeordnet hatte. Ein Vorfall am 23. August 2015 setzte dann ein weiteres Thema auf die Agenda: Aus einem bei Rheinweiler abgestellten Kesselwagen entwich das Edelgas Argon.

Für Hoffmann ein weiterer Grund danach regelmäßig bei der Bahn zu intervenieren – zumal sich ähnliche Havarien häuften. Er fordert, dass die Bahn Waggons mit Gefahrgut nicht mehr mitten in Ortschaften abstellen darf.

Termin

„Bahn vor Ort“: Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Bahnbetrieb in der Region, Freitag, 16. Februar, 17 Uhr bis 21 Uhr, in Efringen-Kirchen in der Hermann-Burte-Halle (Isteiner Straße 10).

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