02.11.2017 Studie der Unimedizin Mainz untersucht Folgen von Bahnlärm

MAINZ – (red). Dass Menschen, die Straßen- und Fluglärm ausgesetzt sind, mit höherer Wahrscheinlichkeit an Bluthochdruck erkranken sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden, das haben zahlreiche Studien nachgewiesen. Die Folgen des Schienenverkehrs wurden weniger unter die Lupe genommen, doch nun wird in einer neuen Studie am Zentrum für Kardiologie der Unimedizin untersucht, welche Auswirkungen nächtlicher Zuglärm auf das Herz-Kreislaufsystem gesunder Menschen hat. Sie trägt sinnigerweise das Kürzel ZuG – Zuglärm und Gefäßfunktion.

Vermutet wird, dass die Störung der Nachtruhe durch Verkehrslärm besonders negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem haben kann. Dies wurde durch die Arbeitsgruppe um Professor Thomas Münzel, Direktor am Zentrum für Kardiologie, berücksichtigt: Gesunden Probanden werden in mehreren Testnächten bis zu 60 Zugvorbeifahrten in standardisierter Weise per MP3-Player vorgespielt. Eine weitere Testnacht ohne Zuglärm dient der Kontrolle. Die Probanden erhalten ein Abspielgerät, damit sie die Versuchsnächte daheim verbringen können. Damit soll eine Beeinflussung der Ergebnisse durch ungewohnte Umgebung vermieden werden.

Während der Versuchsnächte erfolgt eine kontinuierliche Aufzeichnung von Herzrhythmus, Blutdruck sowie der Sauerstoffsättigung des Blutes mittels eigens für die Studie beschaffter Messgeräte, die der Proband am Handgelenk tragen kann. Durch lückenlose Aufzeichnung können selbst geringe Veränderungen nachvollzogen werden. Nach jeder Testnacht wird die Gefäßfunktion der Unterarmarterie durch Ultraschall ermittelt. Das ist besonders relevant, da eine schlechte Funktion eine Vorstufe von Arteriosklerose darstellt, also der krankhaften Veränderung von Gefäßen, die etwa Bluthochdruck und Herzinfarkten vorausgeht. Jeder Proband erhält eine Aufwandsentschädigung.

Mit maximal 60 Zugvorbeifahrten und einem Spitzenlärmpegel von 75 dB(A) wird den Probanden weniger zugemutet, als Anwohner teils an stark befahrenen Bahntrassen zu ertragen haben. „Die Probanden riskieren mit ihrer Teilnahme keine dauerhaft schädliche Folge auf ihre Gesundheit“, erklärt Professor Münzel. Dies liegt daran, dass erst nach längerer und konstanter Beschallung mit hohen Lärmpegeln bleibende Veränderungen eintreten. Veränderungen, die durch die Testnächte auftreten, sind umkehrbar, und lassen sich nur wenige Stunden nachweisen: „Die Testpersonen riskieren also nur ein oder zwei Nächte schlecht zu schlafen, und es dient dem Wohle der Wissenschaft …“

Die Deutsche Herzstiftung fördert das Projekt mit 59 600 Euro über zwei Jahre. „Wir sind froh, dass die Stiftung uns bei unserer Forschung unterstützt“, so Münzel weiter. „Wir gehen davon aus, dass die Studie schon 2018 wichtige Ergebnisse liefert.“

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