27.10.2017 Landwirte sind in Sorge

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/muellheim/landwirte-sind-in-sorge–144046091.html

Beim Bau der Rheintalbahn könnte die Landwirtschaft leiden / Heute öffentlicher MUT-Oktobertreff.

  1. Vision der Deutschen Bahn: So könnte die neue Rheintalbahn einmal aussehen. Foto: Deutsche Bahn

MÜLLHEIM/BAD KROZINGEN. Die Grafiker der DB Netz AG haben sich mächtig ins Zeug gelegt: Unter blau-weißem Himmel fährt ein Traktor übers Feld. Im Hintergrund viel Grün, Bäume, ein Bauernhof. Von ganz hinten rauscht ein Güterzug heran, im Vordergrund steht ein grober Betonklotz mit zwei offenen Türen mitten auf einem Acker, einer Bedürfnisanstalt ähnelnd, aber in Wirklichkeit ein Notausstieg aus dem tiefer gelegten Gleis.

Das ist die Vision der Bahn für die neue Rheintalbahn im Jahr 2031 – denn inzwischen ist man bei diesem Datum angekommen für die Fertigstellung der Strecke im Abschnitt 8.3, dem gut vier Kilometer langen Bereich südlich von Bad Krozingen. Nimmt man eine Bauzeit von sechs bis sieben Jahren an, dann wird es 2024, bevor überhaupt der erste Spatenstich getan werden kann.

Es gebe aber auch wirklich noch viel zu bereden, es sei einiges liegen geblieben in den Gesprächen mit dem Projektbeirat, sagt Roland Diehl, Sprecher der Bürgerinitiative MUT – „Mensch und Umwelt schonende DB-Trasse Nördliches Markgräflerland“. Nachdem die Kernforderungen durchgesetzt waren, die Tieflage akzeptiert und die Finanzierung zugesagt war, ging man an die Details – und dort stoßen die MUT-Mitglieder, vor allem die Landwirte, nun auf zahlreiche Probleme.

Die Stichworte lauten: Beregnung, Ausgleichsflächen, Aushub-Management und Querungen – und bei allem können die Landwirte nur verlieren, würde sich die Bahn komplett durchsetzen. So muss die Bahn laut Roland Diehl davon überzeugt werden, dass sie für zwei komplett neue Beregnungsnetze links und rechts der Trasse aufkommt, denn die Strecke durchschneidet viele der bisherigen Leitungen und Zuwege. Mit neu beregneten, bisher nicht bewässerten Flächen könne es dann auch gelingen, netto viel weniger landwirtschaftliche Fläche einzubüßen – wobei das Flurneuordnungsverfahren sehr kompliziert werden dürfte. Woher die Bahn den Ausgleich für die von ihr versiegelten Flächen nehmen will, ist das nächste Problem. So viel Fläche gibt es nämlich laut Diehl gar nicht hier in der Gegend, doch die Fragen, wo die Flächen seien oder wie neue gefunden werden sollen, beantworte die Bahn nicht.

Dritte Sorge der Landwirte: Die Bahn wird etwa zwei Millionen Kubikmeter Erde bewegen, die zum Teil abtransportiert, zum Teil zwischengelagert werden müssen. Dafür hat die Bahn bisher nur die alten Konzepte, sagt Diehl: mit Lkw wegfahren und irgendwo in die Landschaft kippen. Dabei liege unter dem wertvollen Mutterboden meistens Kies, sehr begehrt in der Region und sogar bis nach Holland, ein wertvoller Rohstoff, den die Bahn verkaufen könnte. Und mit dem Mutterboden könnte man bisher mit Schwermetall im Schwemmfächer der Flüsse belastete Böden ersetzen. Man brauche deshalb eine bodenkundliche Baubegleitung und ein Verkehrsmanagement, das den Abtransport des Abraums per Förderbandsystem vorsehe, ähnlich dem System beim Bau des Katzenbergtunnels.

In Sachen Landschaftsbrücken sieht die MUT-Initiative das letzte Wort ebenfalls noch nicht gesprochen. Landschaftsbrücken sind bis zu 400 Meter breite begrünte und bepflanzte Übergänge über den Bahnkörper; über sie sollen auch die von der Trasse durchschnittenen Gewässer wie Möhlin, Neumagen, Rausgraben und Bachgraben geführt werden. MUT wünscht sich eine fünfte Brücke, die dann auch als Acker, Wiese oder Ausgleichsfläche genutzt werden könnte. Und warum die Bahn bei einem Gleis mit Nebenanlagen von 15 Metern ein achtmal breiteres Baufenster links und rechts der eigentlichen Strecke brauche, leuchte den Landwirten auch nicht ein, so Roland Diehl. Ganz abgesehen davon, dass Boden, über den jahrelang schwere Maschinen gefahren sind, zu verdichtet sei, um anschließend dort wieder Landwirtschaft betreiben zu können.

Über all diese Probleme wird gesprochen, in einem „Lenkungskreis Landwirtschaft“ mit Vertretern des Bauernverbandes BLHV, des Flurneuordnungsamtes des Landkreises, der Bahn und der Bürgerinitiativen unter Leitung des Regierungspräsidiums. Der Lenkungskreis tritt dafür ein, dass die Landwirtschaft durch den Bau der Bürgertrasse möglichst wenig beeinträchtigt wird. Politisch hat sich MUT die Unterstützung der bereits bestehenden regionalen Jamaika-Koalition gesichert, die drei Bundestagsabgeordneten aus der Region, Armin Schuster (CDU), Kerstin Andreae (Grüne) und Christoph Hoffmann (FDP), stehen hinter den Forderungen der Bürgerinitiative. Aber um sicherzugehen, hat Roland Diehl zusätzlich eine Datei mit den Namen aller an den Koalitionsverhandlungen beteiligten Politiker in Berlin auf seinem Computerschirm. Sein Ziel: die Positionen von MUT und der überörtlichen IG Bohr im Koalitionsvertrag unterzubringen.

Gelegenheit zur Diskussion gibt es heute, 27. Oktober, beim öffentlichen MUT-Oktobertreff, bei dem unter anderem über die zweite Sitzung des Lenkungskreises Landwirtschaft berichtet wird.

MUT-Oktobertreff, Freitag, 27. Oktober, u 18 Uhr, im Raum 101 der Max-Planck-Realschule in Bad Krozingen. Näheres unter

http://www.mut-im-netz.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Presse-Blog Rheintalbahn veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s