25.10.2017 Ende einer Bürgerinitiative

Quelle: https://www.weser-kurier.de/region/verdener-nachrichten_artikel,-ende-einer-buergerinitiative-_arid,1661911.html

Andreas Becker 25.10.20170 Kommentare
Bahnlärm in Dauelsen

Hans-Günther Köster will nicht mehr als Einzelkämpfer für mehr Lärmschutz streiten. (Focke Strangmann)

Verden. Wie viele Briefe Hans-Günter Köster im Laufe der Jahre an die Deutsche Bahn geschrieben hat, um besseren Lärmschutz in Dauelsen einzufordern, weiß er selbst nicht. Die Korrespondenz mit dem Konzern füllt jedenfalls acht dicke Aktenordner. Noch vor zwei Wochen hat die Bahn den 83-Jährigen zur Teilnahme an einer Informationsveranstaltung in Hannover eingeladen, wo es im Januar um den Stand des Bahnprojekts Hamburg/Bremen-Hannover gehen soll. Teilnehmen will Köster nicht. „Mit fast 84 muss ich das nicht mehr. Es hat ja auch keinen Sinn, denn erreicht haben wir im Grunde nichts“, zieht er etwas resigniert Bilanz.

Das Ende von Kösters Streiten für besseren Lärmschutz in Dauelsen bedeutet auch das Aus für die Bürgerinitiative gegen den Bahnlärm in Dauelsen. „Es gibt keine Bürgerinitiative mehr, wir sind aus dem Alter raus“, sagt Köster. Wobei „wir“ in den vergangenen Jahren aus ihm und seiner Ehefrau Inge Köster bestand. In der Anfangszeit habe die 1991 gegründete Bürgerinitiative aus 40 bis 50 Mitgliedern bestanden, diese Zahl sei aber im Laufe der Jahre immer weiter abgeschmolzen. Am Ende seien nur noch sie übrig geblieben, sagt Hans-Günter Köster.

Wobei die Notwendigkeit, sich für einen besseren Lärmschutz in Dauelsen einzusetzen, nach wie vor gegeben seien. Denn noch immer fahren tagsüber und vor allem auch Nacht für Nacht zahlreiche Züge durch die Ortschaft. „In manchen Nächten stehen wir um drei Uhr senkrecht im Bett und können nicht mehr schlafen“, klagt Inge Köster. Vor allem die Güterzüge aus Richtung Hamburg seien laut. „Diese Züge haben dann noch keine Einfahrt nach Verden und bremsen stark ab“, beschreibt Köster die Lärmkulisse. Nachts würden zehn bis 15 Züge durch Dauelsen fahren, in manchen Nächten alle 15 Minuten.

Zwar sei 2003 bis 2004 Lärmschutz an der Strecke Rotenburg-Verden gebaut worden, allerdings nur an einer Seite der Schienen. „Die Bahn hat damals schon geplant, ein zweites Gleis zu bauen. Deshalb wurde diese Seite immer offen gelassen“, erinnert sich Hans-Günter Köster. Das Ehepaar ist sich sicher, dass die Lärmbelästigung im Laufe der Jahre mehr geworden ist. „Die Züge sind länger und schwerer geworden“, sagt er. Am Runden Tisch mit der Bahn hat er zwar ein paar Mal teilgenommen, mittlerweile aber damit aufgehört. „Ich bin nicht zu Wort gekommen“, sagt er. Nach fast 20 Jahren Engagement für mehr Lärmschutz, ohne dass sich grundlegend etwas verbessert habe, sei er zudem „etwas resigniert“.

Dabei ist umfassender Lärmschutz jetzt auch am Runden Tisch ein großes Thema. Regelmäßiger Teilnehmer ist Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD). Er informierte den Stadtrat am Dienstag über die Ergebnisse und den Zeitplan des zweispurigen Ausbaus der Strecke Verden-Rotenburg. Danach wird angestrebt, dass bis Februar 2018 die Trassenführung einschließlich der Varianten für die Gleisanbindung in Verden und den Lärmschutz vorliegen soll, damit Abstimmungen in den Kommunen folgen können. In der zweiten Jahreshälfte 2018 plant die Bahn eine Bürgerbeteiligung und Aushänge zur Vorzugsvariante mit der Möglichkeit für Stellungnahmen.

Bis November 2018 will das Unternehmen eine Vorzugsvariante mit der Region abstimmen und diese an das Bundesverkehrsministerium weiterleiten. Diese Variante soll die Trassenführung, geplante Bauwerke sowie die vorgesehene Lage, Höhe und Schutzwirkung des Lärmschutzes umfassen. „Innerhalb der Lärmschutzziele kann im Zuge der Entwurfsplanung eine städtebauliche, landschaftliche und technische Optimierung des Lärmschutzes erfolgen, also teilweise anstelle von Lärmschutzwänden eine Erstellung von Lärmschutzgebäuden und -wällen oder Kombinationen“, sagte Brockmann. Bis Mai 2019 wird ein Bericht des Bundesverkehrsministeriums mit Vorschlag an den Bundestag angestrebt. Vor der Sommerpause 2019 soll eine Zustimmung des Bundestages zur Variante inklusive einer Finanzierung von Mehrkosten, etwa für einen übergesetzlichen Lärmschutz, vorliegen.

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