17.10.2017 Schweizer Verkehrsbeauftragter über gesperrte Rheintalbahnstrecke „Wir brauchen europäische Notfallpläne“

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rheintalbahn-strecke-bei-rastatt-schweiz-stellt-forderungen-a-1173162.html

Wochenlang sorgte die Sperrung der Rheintalbahnstrecke für Ärger – vor allem für die Schweiz. Peter Füglistaler, Chef des Schweizer Bundesamtes für Verkehr, stellt nun Forderungen, um künftig solche Probleme zu vermeiden.

Baustelle des Bahntunnels in Rastatt

DPA

Baustelle des Bahntunnels in Rastatt

51 Tage war die Rheintalstrecke bei Rastatt wegen eines Tunnelzusammenbruchs auf einer Baustelle voll gesperrt. Wie es zu dem Unglück kam, ist bisher nicht abschließend geklärt.

Viele Pendler leiden unter der Streckensperrung. Bis zu 370 Züge passieren normalerweise pro Tag die Stelle. ICE, IC, EC, TGV, Regionalzüge und S-Bahnen.

Auch der Güterverkehr hatte erhebliche Probleme, Waren und Rohstoffe zu transportieren. Vor allem die Schweiz war von der Vollsperrung betroffen.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE beklagt Peter Füglistaler, Chef des Schweizer Bundesamtes für Verkehr, die mangelhafte Zusammenarbeit im europäischen Eisenbahnverkehr und stellt Forderungen, um künftig Probleme wie die in Rastatt zu vermeiden.

Zur Person
  • Béatrice Devènes

    Peter Füglistaler, 58, ist Chef des Schweizer Bundesamtes für Verkehr. Im Interview beklagt er die mangelhafte Zusammenarbeit im europäischen Eisenbahnverkehr und stellt Forderungen, um zukünftig Probleme wie die in Rastatt zu vermeiden.

SPIEGEL: Nach siebenwöchiger Vollsperrung ist die Bahnstrecke bei Rastatt nach dem Zusammenbruch des Tunnels wieder geöffnet. Was ist im Rückblick schiefgelaufen?

Füglistaler: Es war sehr viel Pech dabei. Der Unfall passierte an der denkbar schwierigsten Stelle. Die Sperre hat aber auch alle Schwächen des internationalen Güterverkehrs offengelegt. Die ganze Versorgung der Schweiz hängt von dieser Strecke ab. Da fehlt in Deutschland etwas der Blick über die Grenze. Es ist heute fast nicht möglich, auf eine andere Strecke auszuweichen.

SPIEGEL: Warum nicht?

Füglistaler: Es gibt nach wie vor überall spezielle Regeln, Lokführer brauchen Schulungen, es gibt technische Vorgaben, die überall anders sind. In Frankreich gelten andere Vorgaben als in Deutschland, in Italien ist wieder alles anders. Im Fall Rastatt gab es eine Krisenorganisation in Deutschland und eine in der Schweiz, sinnvoll wäre aber ein transnationales Gremium.

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Rheintalbahn-Sperrung: Nachspiel für die Bahn

SPIEGEL: Was meinen Sie genau?

Füglistaler: Wir brauchen europäische Notfallpläne und eine übergeordnete Koordination, dafür müssen die Gremien der europäischen Schienengüterverkehrskorridore ihre Möglichkeiten besser ausschöpfen. Güterverkehr ist keine nationale Sache.

SPIEGEL: Aber niemand will Kompetenzen abgeben.

Füglistaler: Sogar wir als Nicht-EU-Land spüren große Vorbehalte gegen europäische Gremien in dieser Sache. Passiert etwas, bricht aber der Güterverkehr zusammen. Das muss sich ändern.

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