26.09+.2017 Bahnlärm: Am Rhein wächst der Widerstand

MITTELRHEIN – (red). Durch die Sperrung der Rheintalstrecke bei Rastatt aufgrund des Tunneleinbruchs haben Rheintalanwohner zurzeit, insbesondere nachts, weniger Güterzüge und entsprechend weniger Lärm zu ertragen. „Die Leute machen die Erfahrung, wie es ist, nachts durchschlafen zu können, und entsprechend groß sind die Wut und der Ärger über das, was wir seit Jahren und Jahrzehnten erleiden müssen und was demnächst, in noch schlimmerer Art und Weise, drohen könnte“, sagt Frank Gross von der BI „Pro Rheintal“.

Große Reaktion auf Online-Fragebogen

„Wir spüren das anhand der Reaktion auf unseren Online-Fragebogen, mit dem wir seit dem 7. September den Lärm und die Betroffenheit in den einzelnen Regionen abfragen, und hier im Rheintal und in Hessen einen nie gekannten Aktionsrücklauf von mehr als 20 Prozent erleben. Die Leute haben endlich das Gefühl, gehört zu werden und ihrem Ärger Luft machen zu können“, so der Vorsitzende des Bürgernetzwerks.

Pro Rheintal führt mit diesem „Bürgerfragebogen“ eine bisher so nicht dagewesene Bestandsaufnahme der Lärm-Betroffenheit durch. Anders als beim Eisenbahn-Bundesamt, das Fragen nach der Gesundheit und dem Gesamtlärmempfinden gar nicht erst berücksichtigt, finden sich die Bürger bei diesem Fragebogen mit allem, was sie tatsächlich betrifft und berührt, wieder und haben endlich eine Möglichkeit, auch ohne rhetorische Fähigkeiten, durch einfaches Ankreuzen ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen.

Gemeinsam mit anderen Initiativen will Pro Rheintal so deutschlandweit Profile der Lärmregionen erstellen, um endlich ein Recht auf Nachtruhe und die Verpflichtung, Lärm an der Quelle zu begrenzen, durchzusetzen. „Wir haben uns bisher sagen lassen, wie laut es bei uns ist, indem Bahn und Eisenbahn-Bundesamt ,für uns gerechnet haben’“, erklärt Gross. Dabei herausgekommen sei eine katastrophale Bewertung, die Lärmverursacher mehr schützt als Lärmbetroffene. Schon die sektorale Unterscheidung von Straßenlärm, Bahnlärm, Fluglärm und so weiter sei nur sinnvoll, um den Lärm an der Quelle, an den Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen zu kontrollieren und einzuschränken. Das fände bisher so gut wie gar nicht statt. Es gebe beispielsweise keine Grenzwerte für Güterzüge.

Bei den Immissionen, also dem Lärm, der an und in den Häusern ankommt, zähle hingegen der Lärm, der insgesamt vorhanden sei. Auch das werde bisher überhaupt nicht berücksichtigt. Die Menschen an Bahnlinien seien meist auch von Straßen- und Fluglärm betroffen. Damit gäbe es dann Tag und Nacht, sowohl rund ums Haus als auch drinnen, keine Möglichkeit, dem Lärm zu entfliehen. Wenn man das alles zusammenrechne, sei die grundrechtliche Schwelle zum Schutz von Leben und Eigentum längst überschritten. Um dies nachzuweisen, sei aber eine detaillierte Aussage, wie im Fragebogen vorgesehen, von möglichst allen Betroffenen notwendig, so Gross.

Es gehe ja nicht darum, Verkehrswege lahmzulegen oder der Wirtschaft zu schaden. Ganz im Gegenteil gehe es darum, den Verkehrsinfarkt, unter dem Deutschland derzeit leide, zu beenden, indem man technische Vorschriften erlasse, die Fahrzeuge und Flugzeuge auf den Stand des Wissens und der Technik bringen und bei Verkehrswegen auch akustische Kriterien berücksichtigen. Lärm sei immer ein Zeichen von Reibung, was häufig bedeute, dass etwas nicht richtig funktioniere.

Eine leise Bahn sei eine gute Bahn. Eine leise Straße sei eine gute Straße und ein leises Flugzeug sei ein gutes Flugzeug. Am Zustand „leise“ sind aber eine Vielzahl von technischen Voraussetzungen beteiligt, die Geld kosten und nur dann umgesetzt würden, wenn es entsprechende Vorschriften gäbe. Die Ingenieure der Technischen Universität Berlin fordern dies seit Jahren unter dem Motto „Fortschritt braucht Vorschrift“ – damit nicht die Guten die Dummen und die Lärmverursacher die Profiteure sind wie bisher. „Wir wollen der Politik mit unseren Fragebögen und Lärmprofilen den Rückhalt geben, dies endlich zu ändern und innerhalb der nächsten, der 19. Legislaturperiode, auch umzusetzen“, hält Pro Rheintal fest.

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