18.08.2017 Rheintalbahn: Stabilisierung des Untergrunds beginnt

Unterhalb der Strecke ist das Erdreich in die quer verlaufende Tunnelbaustelle eingebrochen. Grafik. DB AG

18. August 2017 | von Timon Heinrici

Der erste Schritt zur Stabilisierung der Rheintalbahn ist erfolgt: Ein Teil des Tunnels unterhalb der Strecke Karlsruhe – Basel bei Rastatt ist mit Beton verfüllt worden. Dies teilt die Deutsche Bahn mit. Bei Bauarbeiten in der Oströhre des Tunnels brach hinter dem Schild der Tunnelbohrmaschine exakt unterhalb der Gleise Erdreich ein, so dass es zur Gleisverwerfung an der Oberfläche kam. „Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck“, erklärt die DB.

Den im Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) organisierten Wettbewerbern der Deutschen Bahn reicht diese Info nicht. Sie seien auf Spekulationen angewiesen, wann die Arbeiten zur Wiederherstellung der Strecke abgeschlossen sind. „Die Aussagen zur Wiederaufnahme werden von Tag zu Tag diffuser“, kritisiert NEE-Vorstandsvorsitzender Ludolf Kerkeling die Informationspolitik des DB-Konzerns. Die bisherigen Umleitungen würden nur 10 Prozent des normalen Verkehrsvolumens abdecken. Der Schienengüterverkehr könne nachhaltig Schaden nehmen, wenn die Lücke nicht sehr schnell geschlossen wird. Kurzfristig belasteten Umsatzausfälle und Mehraufwand die Bilanzen der Bahnunternehmen, mittelfristig könne Vertrauensverlust der verladenden Wirtschaft in die Schiene folgen.

DSLV setzt sich für Netzausbau ein

Für den Deutschen Speditions-und Logistikverband (DSLV) zeigt die Sperrung des Rheinkorridors, wie hoch der Beitrag des Kombinierten Verkehrs für die Versorgungssicherheit ist. Die enormen Mengen müssten jetzt auf Binnenschiff und LKW verlagert werden. „Umso dringender ist die rasche Umsetzung der im „Masterplan Schienengüterverkehr“ geforderten Infrastrukturmaßnahmen für die Schiene, um sie dauerhaft als verlässlichen Verkehrsträger zu erhalten und auszubauen“, schlussfolgert DSLV Hauptgeschäftsführer Frank Huster.

Astag plädiert für erweiterte 44-t-Zone um Terminals

Verkehrspolitiker in der Schweiz nahmen die Vollsperrung zum Anlass, Verkehrsministerin Doris Leuthard an Abkommen mit Deutschland und Italien zum Ausbau der Zu- und Ablaufstrecken zum Gotthard-Basistunnel zu erinnern. Leuthard müsse in den Nachbarländern auf Einhaltung drängen. Der Fraktionschef der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), Adrian Amstutz, gleichzeitig Präsident des Nutzfahrzeugverbandes Astag, forderte eine Ausdehnung der 44-t-Ausnahmegenehmigungen für Vor- und Nachlauftransporte zu Umschlagbahnhöfen für Transporte von und nach Süddeutschland. Nur so könnten blockierte Container auf der Straße weiterbefördert werden.

Schweizerische Verlader regen Notfallpläne an

Einen Verbesserungsvorschlag bringt der VAP Verband der verladenden Wirtschaft in der Schweiz. Integrierte Notfallszenarien könnten das Bahnsystem Eisenbahnen, Logistikanbieter und die verladende Wirtschaft absichern. Der VAP erwartet rasche Anpassungen der bestehenden Organisationen sowie der europäischen Korridore. „Die Grenzen nationaler integriert geführter Bahnunternehmen, aber auch der Korridororganisationen werden in der derzeitigen Situation offensichtlich“, meint der VAP.

Schweizerzug erstellt Ersatzfahrplan

Das auf Seecontainer spezialisierte Logistikunternehmen Swissterminal AG hat einen Ersatzfahrplan für den „Schweizerzug“ zwischen Frenkendorf (CH) und den Häfen Rotterdam sowie Antwerpen ausgearbeitet. Er sollte im Lauf des heutigen Nachmittags (18.08.2017) von DB Netz freigegeben werden. Eine Alternative sei die Verladung per Binnenschiff. Dieser Dienst lässt sich ebenfalls über „Schweizerzug“ buchen.

Deutsche Opposition fordert Elektrifizierung

Für Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, erweist sich mit der Streckenunterbrechung die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums als falsch, den Ausbau und die Elektrifizierung möglicher Umleitungsstrecken Richtung Schweiz und Italien nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen zu haben. Als Beispiele dafür nennt Gastel die Hochrheinbahn Basel – Singen – Konstanz und die Bodenseegürtelbahn.

Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagfraktion, kritisiert die DB für das ihrer Ansicht nach riskante und unsachgemäße Vorgehen beim Tunnelbau. Die DB habe im Gegensatz dazu ein absolut sicheres und zugleich neuartiges Tunnelbauverfahren angepriesen. Vergleichbares verspreche der Konzern auch für die Tunnelbaustellen für das Bahnhofs- und Netzausbauvorhaben „Stuttgart 21“. „Wenn die Deutsche Bahn AG sich außer Stande sieht, weniger als 100 m Tunnelstrecke in einem relativ erprobten Untergrund sicher durchzuführen – wie soll sie dann 17,6 km Tunnelbaustrecken im nicht erprobten, deutlich risikoreicheren Anhydrit bei Stuttgart 21 sicher realisieren können?“, fragt Leidig.

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