29.07.2017 Alle hoffen auf einen Tunnel vor 2035

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/offenburg/alle-hoffen-auf-einen-tunnel-vor-2035--139943925.html

Mit Probebohrungen beginnen die Vorbereitungen fürs Milliarden-Bahnprojekt in Offenburg / OB: Lange auf diesen Tag gewartet.

  1. Mit einer Ramm-Drehbohranlage holen Jens Gerth (r.) und Ralf Schuhmann Bodenproben aus dem Offenburger Untergrund. Foto: Helmut Seller

  2. „Bisher keine Überraschungen“: Frank Züchner von der Ingenieurfirma Dr. Spang GmbH aus Frankfurt erläutert die Bodenproben. Foto: Helmut Seller

  3. Sven Adam Foto: Helmut Seller

OFFENBURG. Seit Anfang Juli laufen die Probebohrungen für den Bau des Offenburger Güterzugtunnels: Mit 67 Kernbohrungen in Tiefen zwischen zehn und 80 Metern wird der Untergrund entlang der Trasse zwischen Appenweier und Hohberg geologisch erkundet. An Bohrloch 24 auf dem Gelände der Technischen Betriebe (TBO) wurde der Auftakt der Arbeiten für das Milliardenprojekt mit einem offiziellen Akt gewürdigt. Vertreter von Stadt, Bahn und Landkreis hoffen auf schnelles Vorankommen und eine Tunnel-Einweihung möglichst vor 2035.

Wie ein Presslufthammer arbeitet das auf einen Lastwagen montierte Rammbohrgerät. Relativ mühelos treibt es die Stahlrohre in den Untergrund, mit denen an 67 Stellen Bodenproben genommen und insgesamt 18 Grundwasser-Messstellen eingerichtet werden. Was aus der Tiefe geholt wird, füllen Jens Gerth und Ralf Schuhmann in jeweils einen Meter lange Holzkästen: Die Ergebnisse bestätigen bisher, was Tunnelbohr-Unternehmer Martin Herrenknecht einmal im BZ-Gespräch gesagt hat: Im Oberrheingraben ist der Untergrund durchweg ähnlich. Unter dem Mutterboden kommt ein Gemisch aus Granitkieseln und Sand. Das bestätigt auch Frank Züchner von der Frankfurter Ingenieurfirma Dr. Spang GmbH. Er kann nach den ersten Bohrungen sagen: „Bisher gab es keine Überraschungen.“ Die Bodenproben werden fotografiert und teils im Labor analysiert. Repräsentative Proben werden bis zum Baubeginn auch archiviert. Insgesamt kommen laut Sven Adam 1760 Bohrmeter zusammen: „Das ist eine Menge Holz“, sagt der Bahnmanager. Er ist beim Ausbau der Rheintalbahn verantwortlich für den Streckenabschnitt 7, zu dem auch Offenburg gehört. Adam ging bei einer Vorstellung des Bohrprogramms vor Vertretern von Stadt, Landkreis, Bürgerinitiative Bahntrasse und den Bürgermeistern Jehle (Hohberg) und Holschuh (Schutterwald) kurz auf die Vorgeschichte und den Offenburger Tunnelkampf ein: „Die Vergangenheit war für alle Seiten nicht leicht.“ Doch auch bei der Bahn sei man froh, dass der Tunnel beschlossen worden sei und Klarheit herrsche: „Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass wir uns hier treffen?!“ Mit dem Beginn der Bohrungen am 3. Juli würden Daten gesammelt, die als Grundlage für das spätere Bauwerk nötig sind. Hinzu kämen aufwändige Untersuchungen in Bereichen wie etwa Umwelt- und Artenschutz. Mit Blick auf das „kleine“ Bohrgerät sagte Adam: „Ich hoffe, dass wir etwas schneller als prognostiziert auch das große Bohrgerät sehen werden.“ Den Vertretern der Stadt Offenburg bescheinigte er ein konstruktives Miteinander: „Die Zusammenarbeit macht wirklich Spaß.“

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Für Oberbürgermeisterin Edith Schreiner ist der Bohrtermin der symbolische Auftakt zum Tunnelbau: „Wir haben lange auf diesen Tag gewartet.“ Doch entscheidend sei: „Der Güterzugtunnel kommt!“ Auch die OB lobte die Zusammenarbeit mit der Bahn insbesondere, dass Probleme offen angegangen und die Bevölkerung transparent informiert werde. Zwar sei auch der ein oder andere Offenburger vom Tunnelbau betroffen. Dennoch sei es wichtig, dass die Stadt vom Güterzuglärm befreit werde, zugleich aber die ICE-Züge weiterhin in Offenburg halten: „Ich hoffe, wir sind vor 2035 fertig“, sagte auch die OB über den angepeilten Termin.

Bevor Vertreter der Bohrfirmen die Arbeiten erläuterten, hob auch Nikolas Stoermer die „Symbolkraft des heutigen Datums“ hervor. Die Bürger von Offenburg hätten bis zum nun erreichten Meilenstein erfolgreich einen Marathon bewältigt, sagte der Erste Landesbeamte des Ortenaukreises.

Die Lacher hatte der gebürtige Mannheimer auf seiner Seite, als er mit Blick auf die noch ausstehenden Herausforderungen den Sänger Xavier Naidoo von den Söhnen Mannheims zitierte: „Dieser Weg wird kein leichter sein – dieser Weg wird steinig und schwer…“

Güterzugtunnel

Der zweiröhrige Tunnel Offenburg wird weitgehend außerhalb der Wohnbebauung gebaut und für Tempo 120 ausgelegt. Das Planungsbüro Obermeyer erarbeitet verschiedene Varianten zur Lage des Tunnels und seine südliche und nördliche Anbindung. Die Erkundungsbohrungen dauern voraussichtlich bis November 2017. Die 67 Bohrungen führen von Appenweier entlang der bestehenden Rheintalbahn bis zum Güterbahnhof Offenburg. Dort wenden sie sich westlich von Offenburg bis zum westlichen Ufer des Burgerwaldsees und folgen der A5. Weitere Bohrungen gibt es entlang der geplanten Querspange zwischen A5 und der bestehenden Rheintalbahn sowie entlang der Rheintalbahn auf Höhe des Königswaldsees Richtung Süden.

Weitere Infos unter http://mehr.bz/tunnel-og
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