08.07.2017 Bahn beharrt bei Rheintalstrecke auf Tempo 250

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/bahn-beharrt-auf-tempo-250--139036947.html

Bürgerinitiativen haben gefordert, die Bahn solle die Spitzengeschwindigkeit verringern. Doch die Bahn hält dagegen und verweist darauf, dass sie längst beschlossen worden sei.

  1. Auf der Rheintaltrasse geht es der Bahn zu langsam voran. Foto: Hannes Lauber

Die Bahn will nicht von ihrem Plan abrücken, ihre Fernverkehrszüge nach dem Ausbau der Rheintalstrecke mit Tempo 250 fahren zu lassen. So sei es verabredet, Umplanungen würden das Vorhaben weiter verzögern. Zuletzt hatten die Bürgerinitiativen die Forderung erhoben, die Zuggeschwindigkeit zu verringern. Nach aktuellem Stand wird die Strecke zwischen Karlsruhe und Basel im Jahr 2041 voll befahrbar sein.

Die in der Interessengemeinschaft Bahnprotest am Ober- und Hochrhein (IG Bohr) zusammengeschlossenen Initiativen hatten zuletzt wiederholt verlangt, die Bahn solle darauf verzichten, die Neubaustrecke auf eine Maximalgeschwindigkeit von 250 Kilometern auszulegen. Ein solcher Baustandard verlangt zum Beispiel größere Kurvenradien, der Abstand zwischen den Gleisen muss einen halben Meter größer sein. Dies ist vor allem im Abschnitt Orschweier-Kenzingen von Bedeutung.

Größere Kurvenradien und größerer Abstand zwischen den Gleisen

Zudem wird befürchtet, dass beim Einfädeln der schnellen ICE in den Katzenbergtunnel die langsamen Güterzüge (maximal 100 bis 120 Stundenkilometer) auf die alte Strecke abgedrängt werden, weil die schnellen Fernverkehrszüge sonst zu dicht auffahren. Darüber hinaus stellen die Bürgerinitiativen in Frage, ob der erzielte Reisezeitgewinn von einer halben Stunde den enormen Aufwand rechtfertige.

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Güterzüge könnten auf alte Strecke abgedrängt werden

Deshalb hat die IG Bohr zusammen mit 15 Kommunen entlang der Strecke bei einem Zürcher Planungsbüro ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Büro soll „eine betriebliche und ökonomische Optimierung bei einer Reduzierung der Geschwindigkeit“ erreichen, wie es in einem Brief der Bürgerinitiativen an die Bahn heißt. Für die Erstellung des Gutachtens müssen aber die Pläne der Bahn eingesehen werden.

Gutachten in Auftrag gegeben

Die Bahn hat nun reagiert. Zum einen lägen die Pläne öffentlich vor, im Bereich südlich Offenburg bis Riegel seien aber erst vor wenigen Monaten die Aufträge für die Planung vergeben worden. Dort, wo zwar Entwürfe vorhanden, diese aber noch nicht vorlagereif sind, werde man die Unterlagen direkt nach Zürich schicken, allerdings mit dem Vorbehalt der Vertraulichkeit. Das kündigt die Bahn in einem Antwortschreiben an die Bürgerinitiativen an.

Bahn übt Kritik an Bürgerinitiativen

Zugleich wird darin auch Kritik an den Bürgerinitiativen geübt. Der Auftrag an die DB für die Planung sei im Herbst 2015 ergangen, und zwar auf der Basis eines Beschlusses des Projektbeirates. An diesem Beschluss, der Verbesserungen beim Lärmschutz sowie unter anderem den Bau eines Tunnels in Offenburg beinhaltet, seien die Bürgerinitiativen maßgeblich beteiligt gewesen. Er beinhaltet den Ausbau mit einer Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Ziel sei ein echter Halbstundentakt und ein nahtloser Übergang in Basel beziehungsweise Mannheim.

Diesen Beschluss des Projektbeirates habe der Bundestag im Januar 2016 bestätigt. Nachträgliche Korrekturen hätten mithin keine Legitimität. Zudem würden sie die Planung weiter verzögern. Schon jetzt ist klar, dass der Neubau erst 2035 fertig sein wird. Anschließend müsse zwischen Offenburg und Riegel die bestehende Strecke ausgebaut werden. Der gesamte Abschnitt Karlsruhe-Basel könne nach jetzigem Zeitplan dann 2041 in Betrieb genommen werden. „Wenn es früher geht, wäre uns das recht“, erklärte ein DB-Sprecher am Freitag.

Die Bahn sieht sich zudem politisch gebunden: Der Bund stelle die 11,2 Milliarden Euro, die das Projekt kostet, auch unter der Voraussetzung zur Verfügung, dass ein Reisezeitgewinn und damit ein volkswirtschaftlicher Nutzen erzielt wird. Die Bürgerinitiativen bemängeln, Reisezeitgewinn bemesse sich für die Gesamtstrecke. Wenn also der Übergang zum Nahverkehr nicht passe oder die Züge häufig verspätet seien, nutze eine hohe Geschwindigkeit auf einem Abschnitt gar nichts. Auch habe die Bahn bislang die Pläne des Kantons Basel außer Acht gelassen, einen Rheintunnel zu bauen. Die Bahn sieht hier den Bundesverkehrsminister als Ansprechpartner.

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