24.6.2017 (Herbolzheim) Nahverkehr hört man fast nicht mehr

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/herbolzheim/nahverkehr-hoert-man-fast-nicht-mehr–138402942.html

Der Einsatz für die Lärmschutzwand in Herbolzheim habe sich gelohnt, sagen Anlieger in einem Gespräch mit der BZ.

  1. Eberhard Rees, Albrecht Künstle und Richard Stubert (von links) an der Schallschutzwand. Foto: Michael Haberer

HERBOLZHEIM. Am Bahnhof müssen sich noch einige Fundamente setzen. Dann kann die 1690 Meter lange und rund 2,8 Millionen Euro teure Lärmschutzwand östlich der Bahntrasse von einem Ende der Stadt bis zum anderen fertiggestellt werden. Die offizielle Abnahme erfolgt Anfang Juli. Anwohner und Vorkämpfer für diesen Lärmschutz an der Bestandsstrecke sind sich einig: Es hat sich gelohnt. Zu diesem Ergebnis kommen Eberhard Rees, Albrecht Künstle und Richard Stubert in einem Gespräch mit der Badischen Zeitung.

„Früher hättet Ihr mich jetzt nicht mehr verstanden“, sagt Rees, Ehrenmitglied der Bürgerinitiative (BI) Bürgerprotest Bahn Herbolzheim-Kenzingen. Rees sitzt mit Künstle und Stubert in seinem Garten, etwa zehn Meter von der Bahn und damit von der neuen Schallschutzwand entfernt. „Den Nahverkehr hörst du fast gar nicht mehr“, sagt Rees zum Effekt der drei Meter hohen Wand. Rees gehört zu den ersten Kämpfern gegen die damals sogenannte Bündelungstrasse durch Städte wie Herbolzheim und Kenzingen. Er war Sprecher der damaligen „Interessengemeinschaft Bürger und Bahn“, Vorläufer der BI.

Stubert, der bis 2014 mehr als 43 Jahre Stadtrat war und die Diskussion um den Ausbau der Rheintalbahn und Lärmschutz von Anfang an mitgemacht hat, gibt zu, dass er der Lärmsanierung an der Bestandsstrecke lange Zeit skeptisch gegenüber gestanden habe. Er habe befürchtet, dass die Bahn damit die für die Autobahnparallele streitenden Kommunen und Bürgerinitiativen doch noch austricksen werden. Nachdem aber die Autobahnparallele beschlossene Sache und die Gefahr, mit einigen Zugeständnissen vertröstet zu werden, vom Tisch ist, hält er die Schallschutzwand für ein gelungenes Projekt.

Die Zweifel seien auch in der BI gegenwärtig gewesen, sagt Künstle, einer der Sprecher der BI, der sich früh für die Lärmsanierung an der Bestandsstrecke eingesetzt hat. Ende der 90er Jahre seien ihre Vorstöße von der Bahn schnell abgetan worden mit dem Hinweis, dass der Lärmschutz durch den Ausbau Vorrang vor Maßnahmen an der Bestandsstrecke habe. Als dann klar wurde, dass die Bahn die gesteckten Ziele eines Ausbaus innerhalb von zehn Jahren nicht zu erreichen werde und die Anrainer damit auch ein Anspruch auf Lärmsanierung hätten, habe die BI eine Flut von Schreiben an die Zuständigen initiiert, sagt Künstle.

Als dann Anfang 2014 die Lärmsanierung der Bestandsstrecke in Aussicht gestellt wurde, habe es in der BI durchaus Bedenken gegeben, dass damit das Engagement für die Autobahnparallele nachlasse. Aber das Argument, dass man bis zu 25 Jahre auf irgendeinen Lärmschutz, egal welche Variante kommt, warten müsse, habe dann angesichts der bestehenden Belastung doch gezogen.

Stubert, der sozusagen in der dritten Reihe zur Bahn hin wohnt, kann wie Rees Positives aus dem Alltag berichten. Wenn er die Balkontür geöffnet habe und ein Güterzug durchfahre, könne er verstehen, was im Fernsehen gesagt wird. Früher sei das nicht möglich gewesen. Allerdings reiche die Lärmschutzwand nicht aus, um auch in den Obergeschossen für die Werte zu sorgen, die den Anwohnern zustünden. Deshalb können sie eine Prüfung beantragen, ob sie Anspruch auf 75 Prozent Förderung für den Einbau von Schallschutzfenstern haben.

Eigentlich hätte die Mauer fünf und nicht nur drei Meter hoch sein müssen, sagt Künstle. Aber aus Beispielen wie Emmendingen wisse die Bahn, dass nur etwa zehn Prozent der Berechtigten wirklich diesen passiven Schallschutz beantragen. So sei es wirtschaftliches Kalkül der Bahn, aktiven und passiven Schallschutz zu kombinieren.

Wie aber die Lärmschutzwand an Rees Garten in 25 Jahren aussehen wird, ist noch offen. Geht es nach den aktuellen Bahnplänen für die Sanierung der Bestandsstrecke, hätte Rees eine mehr als doppelt so hohe Lärmschutzwand vor der Nase. Denn der ICE mit 250 Sachen, der hier irgendwann vorbeirauschen soll, macht am Stromabnehmer so viel Lärm, dass der Schallschutz bis über die derzeitigen Oberleitungen hochgezogen werden müsse. Bürgerinitiativen und Kommunen haben sich nun zusammengetan und finanzieren ein Gutachten, ob die Bahn die bestehende Strecke wirklich für eine Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometer ausbauen muss, oder ob dieses Tempo schon wegen der Besonderheiten der Strecke überhaupt nicht erreicht werden kann.

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