18.3.2017 Reute arbeitet an Bahn-Stellungnahme

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/reute/reute-arbeitet-an-bahn-stellungnahme–134650143.html

Gemeinderat sieht Vorteile beim Lärmschutz, möchte aber eine Wandverlängerung und hat Bedenken wegen der Hochwassergefahr.

  1. Nordwestlich der Brücke von Reute nach Nimburg tritt der Wald ein wenig zurück. In diesem Bereich, der beim Bahnbau zum Teil aufgeforstet werden soll, ist keine Habitatschutzwand vorgesehen. Dies könnte vor allem nachts zu einer erhöhtem Lärmbelastung der Einwohner führen. Dagegen erhebt Reute Einspruch. Foto: Benedikt Sommer

REUTE. Am 27. März endet die Einspruchsfrist im Offenlegungsverfahren des geplanten Bahnausbaus. Neben Holzhausen ist Reute zwischen Riegel und Tunisee am stärksten von den Auswirkungen betroffen. Bürgermeister Michael Schlegel präsentierte dem Gemeinderat am Donnerstag die Sachlage. Nach gut dreistündiger Präsentation und intensiver, erschöpfender Beratung beschloss der Rat zumindest die Umrisse einer Stellungnahme der Gemeinde. Ausführung und Einreichung übernimmt die Anwaltskanzlei Sparwasser & Heilshorn, Freiburg.

Der Schienenkorridor zwischen Rotterdam und Genua, 23 dicke Aktenordner Planungsunterlagen und dahinter das größte Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen in Mitteleuropa: Da verlieren nicht nur Einzelpersonen den Überblick, auch weit größere Gemeinden als Reute geraten an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Mit der Stadt Freiburg und den Gemeinden March, Vörstetten und Teningen gab die Verwaltung daher externe Ingenieurgutachten in Auftrag, etwa zur technischen Prüfung, zur Prüfung der wasserwirtschaftlichen und der Umweltbelange sowie schalltechnischen Unterlagen.

Im Grunde profitiert Reute wie die ganze Region von Verbesserungen des Lärmschutzes gegenüber dem ersten Planfeststellungsverfahren 2009, die der massive Widerstand von Politik und Bürgerinitiativen dem Bauherren abtrotzte. Zwischen der Brücke nach Nimburg und der Brücke nach Holzhausen sollen sechs Meter hohe Lärmschutzwände und im Kernbereich eine fast sieben Meter hohe Galerie dafür sorgen, dass von den gut 160 Zügen pro Tag im Ort kaum etwas zu hören ist.

Reute will eine Verlängerung der Habitatwand

Problematischer ist die Situation nachts. Bei knapp 20 Zügen pro Stunde dürfte die Lärmbelastung aber auf Grund eines geringeren Grundlärms deutlich größer werden. Als besonders problematisch sieht die Gemeinde den Umstand an, dass zwischen einer vier Meter hohen Habitatwand nördlich der Brücke nach Nimburg und der neuen Schutzwand eine Lücke von gut 500 Metern im Schallschutz besteht, durch die der Zuglärm sich in Richtung Oberreute ausbreiten kann. Hier hofft die Gemeinde eine Verlängerung der Wand zu erreichen, auch weil an dieser Stelle die Bahn weder die Populationen von Fledermäusen noch die von Vögeln ausreichend untersucht habe.

Auch das fehlende Baustellenkonzept moniert die Gemeinde. Wie und auf welchen Straßen erfolgt der Transport der 700 000 Kubikmeter bewegter Erdmassen, immerhin mehr als 30 000 LKW-Fahrten? Wie groß ist die Belastung durch den Baustellenlärm? Wie erfolgt die Verkehrsführung, wenn bis auf die Brücke nach Nimburg, die parallel entsteht, alle Brücken abgerissen und, bei acht bis neun monatlichen Vollsperrungen, neu gebaut werden? Wo stehen die Baucontainer, Fahrzeuge usw.? All diese Fragen seien nicht ausreichend geklärt.

„Abflusssituation ist problematisch“

Karl-Heinz Jeworowsky vom Amt für Wasserwirtschaft beim Landratsamt präsentierte die Ergebnisse einer Überprüfung, wie sich das neue Bauwerks auf die Hochwasserproblematik der Gemeinde auswirkt. Eine nachteilige Wirkung auf die Hochwasserlage Reutes sei nicht nachgewiesen. Problematisch sieht er jedoch die Abflusssituation von Ost nach West. Hier fordert die Gemeinde, dass die Durchlässe unter der Bahn in ihrer Leistungsfähigkeit nicht wie geplant verringert werden; sie sieht die Gefahr, dass sich die Überschwemmungsfläche vergrößere. Auch weil verschiedene Gewässer verlegt und Flächen für Bodenaushub bereit gestellt werden. Gerade an diesen Stellen bildeten sich laut Modell neue, kleine Überflutungsbereiche.

Auf Grund der Hochwasserproblematik fordert die Gemeinde auch eine Verlegung des bestehenden Lärmschutzwalls auf die Holzhausener Seite. „Dieser Wall wird sowieso verschoben. Würde man ihn gleich nach Holzhausen verlegen, hätten alle Seiten gewonnen“, meinte Bürgermeister Schlegel. „Wir hätten mehr Retentionsfläche, Holzhausen einen Lärmschutzwall und der Landkreis könnte seine Erddeponie unterbringen“. Dazu müsste die Glotter nicht verlegt werden. Die Hochwasserplanungen der Bahn sollten mit den Planungen Reutes abgestimmt werden.

Landwirtschaftlich hochwertige Flächen will der Rat nicht als Ausgleichsflächen entwertet sehen, temporär genutzte Flächen, Wege und Kanäle sollen in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden.

Aus aktuellem Anlasses („wir bekommen ein Gemeinderatsbaby“, Schlegel) änderte der Gemeinderat seine Geschäftsordnung. Eingefügt wurde ein Absatz, der die Beurlaubung einer Gemeinderätin für den Zeitraum des gesetzlichen Mutterschutzes ermöglicht. Zur Pflege von Angehörigen und zum Zweck der Kinderbetreuung ist zudem eine Beurlaubung für längstens sechs Monate möglich.

Vorfall bei der Fastnacht hat ein Nachspiel

Positiv äußerte sich Bürgermeister Michael Schlegel über die Fasnachtveranstaltungen in der Gemeinde. Diese seien sehr gut verlaufen. Das beauftragte Sicherheitsunternehmen und die Polizei haben „in großer Ruhe“ agiert und so Probleme bereits im Ansatz behoben. Schlegel lobte die enge, konstruktive Zusammenarbeit, auch mit den Rettungskräften und den Veranstaltern. Nur in einem Fall sei es zu einem ernsteren Zwischenfall gekommen: Die abrückende Brandwache der Feuerwehr wurde aus einer Gruppe heraus angegriffen. Dieser Fall wird von der Staatsanwaltschaft verfolgt und hat ein juristisches Nachspiel.

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