24.2.2017 Umbau der Breisgau-S-Bahn: Rathaus fordert guten Lärmschutz

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/umbau-der-breisgau-s-bahn-rathaus-fordert-guten-laermschutz–133879251.html

Bei den Planungen für den Umbau der Breisgau-S-Bahn sieht die Stadtverwaltung noch Verbesserungsbedarf im Detail. Baubeginn soll voraussichtlich im Frühjahr 2019 sein.

Die Planungen für den großen Umbau der Breisgau-S-Bahn schreiten voran. Im Moment läuft das Genehmigungsverfahren – dabei darf sich auch die Stadt Freiburg äußern. Und sie hat 27 Seiten Einwendungen ans Regierungspräsidium geschickt. Denn im Detail sieht die Stadtverwaltung Verbesserungsbedarf. Ein kritischer Punkt ist der Lärmschutz, betroffen sind vor allem die Stadtteile Landwasser und Mooswald. Während der Bauzeit bleibt die Strecke Freiburg-Breisach für zehn Monate gesperrt. Losgehen wird es voraussichtlich im Frühjahr 2019.

Der Bahnverkehr in der Region soll sich durch den Ausbau der Breisgau-S-Bahn deutlich verbessern (siehe Infobox). Das gesamte Netz wird elektrifiziert, auch die Anbindungen an Straßenbahnen und Busse soll optimiert werden. Doch für das Mammutprojekt sind etliche Umbauten erforderlich, auch auf Freiburger Gemarkung. Zukünftig werden zudem mehr Züge unterwegs sein und statt mit bislang 80 Stundenkilometern können sie in vielen Bereichen 120 Stundenkilometer schnell fahren.
Dadurch wird der Zugverkehr jedoch lauter – weshalb die DB Netz AG, die das Projekt plant, zusätzlichen Lärmschutz vorgesehen hat. Im Bereich Landwasser soll eine drei Meter hohe Wand entstehen. Doch diese schütze nur die Bewohner der unteren vier Etagen, sagt die Stadtverwaltung: Ab dem fünften Obergeschoss gehe „die Wirksamkeit gegen null“, heißt es in der Stellungnahme ans Regierungspräsidium. In Landwasser in der Wirthstraße gibt es jedoch Häuser mit bis zu 18 Stockwerken. Diese müssten ebenfalls vor dem Lärm geschützt werden, meint auch der Bürgerverein Landwasser. „Die bisherigen Schallschutzwände sind absolut ungenügend“, sagte Vorsitzender Dieter Dormeier am Mittwochnachmittag im Bauausschuss des Gemeinderats, wo der Sachstand des Projekts vorgestellt wurde. Er schlug „Galeriebauwerke“ vor, die den Schall so umlenkten, dass weniger Lärm bei den Häusern ankommt. Keinesfalls, so betonte Dormeier, seien lärmdichte Fenster als „passiver Schallschutz“ ausreichend. Dann müssten die Bewohner die Fenster geschlossen halten und könnten ihre Balkone nicht mehr nutzen: „Sie sind dann eingesperrt wie Hühner im Käfig.“

Unbefriedigend findet die Stadtverwaltung auch den Schallschutz für den Stadtteil Mooswald: Im Moment gibt es bei den Lärmschutzwänden noch Lücken, etwa südlich des Haltepunkts „Messe/Universität“ oder zwischen der Straße Lachendämmle und der Granadaallee. Das Rathaus fordert einen „gleichmäßig guten Lärmschutz“ für das gesamte Quartier. Noch nicht einmal untersucht worden sei der Schallschutz für Studierendenwohnheime auf dem Universitätsgelände am Flugplatz, bemängelt das Rathaus.

Mehr Sicherheit für den Haltepunkt Landwasser

Im Zuge des Umbaus der Breisgau-S-Bahn werden auch Haltepunkte umgestaltet. In Landwasser soll der Bahnsteig 200 Meter Richtung Westen verlegt werden, um das Umsteigen zu erleichtern. Dadurch wird sich der Bahnsteig jedoch zwischen einer Schallschutzwand und dem Waldrand befinden – das gefällt weder der Stadtverwaltung noch dem Bürgerverein Landwasser. Sie fordern mehr Transparenz, damit sich die Bahnnutzer weiterhin sicher fühlen können.

Den Rest der 27 Seiten Einwendungen füllen eine ganze Reihe weiterer Aspekte, die vom Natur- und Artenschutz bis hin zu freizuhaltenden Rettungswegen und Abstimmungen mit anderen Bauprojekten der Stadt Freiburg reichen. Die Stadträte im Bauausschuss lobten die Arbeit der Verwaltung, kritisierten aber, dass die Stellungnahme abgegeben wurde, bevor das Gremium darüber beraten hat. Dies sei den engen Fristen geschuldet, erklärte Baubürgermeister Martin Haag.

Wann das Genehmigungsverfahren für den Umbau der Breisgau-S-Bahn weitergeht, ist noch unklar. Als Nächstes stehe ein Erörterungstermin an, sagte Yves Strittmatter vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung. Bis die Bauarbeiten starten, wird es noch bis zum Herbst 2018 dauern. Dann beginnen erste Vorbereitungen. Richtig losgehen soll es im Frühjahr 2019. Dann wird die Bahnstrecke zwischen Freiburg und Breisach für zehn Monate komplett gesperrt, für die Bahnfahrer soll es in dieser Zeit einen Schienenersatzverkehr geben.

Breisgau-S-Bahn 2020

Im Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) treiben die Stadt und ihre Nachbarkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald den Ausbau des Nahverkehrs voran. Kernpunkt ist das Konzept Breisgau-S-Bahn 2020. Über den Freiburger Hauptbahnhof als Drehscheibe sollen Züge in kurzen Takten in alle Himmelsrichtungen fahren. Voraussetzung ist die Elektrifizierung der Strecken nach Breisach und ins Elztal sowie ins Münstertal, wo die Arbeiten abgeschlossen sind. Bahnhöfe müssen neu gebaut oder bestehende barrierefrei umgebaut und Bahnsteige verlängert werden. Ein Ziel ist beispielsweise, von Breisach eine durchgehende S-Bahnlinie bis Titisee-Neustadt zu realisieren. Bis Ende 2019 müssen so viele Projekte wie möglich abgeschlossen sein, weil das sogenannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz ausläuft, das Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von 80 Prozent festschreibt. Nachdem die Bahn AG Ende 2012 ihre Kostenkalkulation aktualisiert und dramatische Erhöhungen errechnet hatte, blieb dem ZRF nichts anderes übrig, als die geplanten Bauprojekte und das geplante Angebot zu reduzieren. Die Gesamtkosten liegen jetzt bei 254 Millionen Euro, davon muss der ZRF 109 Millionen Euro tragen. Irgendwann danach ist die zweite Ausbaustufe vor allem auf der Rheintalbahn vorgesehen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Presse-Blog Rheintalbahn veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s