18.02.2017 Bahn baut den Vollschutz

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/bahn-baut-den-vollschutz–133668812.html

Die Umsetzung der Lärmziele des Projektbeirates zur Rheintalbahn hat ihre Tücken.

FREIBURG. Die Forderung nach mehr Lärmschutz an der neuen Rheintalstrecke ist das eine, die Umsetzung des Anspruchs das andere. „Vollschutz“ für alle Anwohner haben die Bürgerinitiativen Bund, Land und Region sowie der Bahn abgetrotzt und in einem gemeinsamen Beschluss des Projektbeirates vereinbart. Nun geht es darum, was dieser Vollschutz baulich umgesetzt wird.

Konkret wird die Frage erstmals im Planungsabschnitt 8.1 zwischen Riegel und March. Es gelte, eine politische Forderung in konkrete Planung umzusetzen und die dafür nötigen rechtlichen Instrumente zu finden, wie Dieter Karlin, Direktor des Regionalverbandes im Planungsausschuss des Gremiums, betonte. Diese Planung sieht für den Bau des 11,5 Kilometer langen Abschnitts mehrere Kilometer Lärmschutzwand beziehungsweise Galeriebauten vor. Dazu werden die Gleise mit einem Schienenstegdämpfer ausgestattet. Grundlage für die Lärmberechnung ist, dass dort weiterhin laute Güterwagen rollen – obwohl diese vom Jahr 2020 an wohl durch leise Wagen ersetzt sein sollen. Die geforderten Lärmschutzwerte werden eingehalten – bis auf zwei Anwesen, für die noch eine Lösung gesucht wird.

Nun aber bricht ein alter Grundsatzstreit wieder auf. Er wird geführt am Beispiel von March-Holzhausen, wo eine noch längere Galerie gefordert wird. Gerlinde Schrempp von der Bürgerinitiative Igel will sich nicht an errechneten Mittelpegeln orientieren, sondern am realen Spitzenwert, der beim Vorbeifahren eines Zuges gemessen wird. Das aber, entgegnet Christoph Klenert von der DB Netz, entspreche weder dem Planungsrecht noch dem, was im Projektbeirat vereinbart wurde. Mit diesem Anspruch müsse die gesamte Planung bei Null beginnen, denn der Maßstab müsse dann für alle gelten. Auch der Verbandsvorsitzende Otto Neideck sowie mehrere Verbandsmitglieder erinnerten daran, dass man nicht von der Bahn erwarten könne, dass sie sich an die Verabredungen halten, wenn man dazu selbst nicht bereit sei.

Für Irritationen sorgte, dass sich die erwartete Lärmbelastung allein aufgrund der geänderten Berechnungsmethode verringert habe. Guido Kohnen, der vom Regionalverband als neutraler Gutachter den Prozess begleitet, wies darauf hin, dass heutige Rechenmodelle auch Schallbrechungen und Reflexionen einbeziehen könnten. „Die Modelle sind wesentlich genauer“, sagt Kohnen, erst mit heutigen Rechnerkapazitäten seien sie zu schaffen. Das Verblüffende: „Durch die neue Berechnungsmethode wird es etwas leiser.“ Auf Seiten der Bürgerinitiative gab es auch schon den Verdacht, für den Bund diene das Rechenmodell dazu, sich teure Lärmschutzwände zu ersparen.

Kohnen erinnerte daran, dass aufgrund des Protestes aus dem Rheintal bereits wesentliche Fortschritte erzielt worden seien. Und dass es eine Art Puffer gebe: Denn alle Rechnungen basieren darauf, dass der Lärmschutz gegeben ist, auch beim Einsatz lauter Züge. Diese aber werden in absehbarer Zeit verschwinden.

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