16.02.2017 Bürger sollen auf Lärmschutz bestehen

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/march/buerger-sollen-auf-laermschutz-bestehen--133575620.html

Infoveranstaltung der Initiative IGEL und der Gemeinde March wirbt für Einwendungen zur Planung des viergleisigen Bahnausbaus.

  1. Den Lärm, der von Güterzügen ausgeht, soll an der Neubaustrecke entlang der Autobahn ein wirksames Schallschutzkonzept eindämmen. Foto: Victoria Langelott

  2. Konsequenten Lärmschutz fordert die Bürgerinitiative IGEL für Holzhausen und hofft auf Unterstützung durch viele Einwendungen von Bürgern zum angelaufenen Planfeststellungsverfahren. Foto: jonas hirt/victoria langelott

  3. Den Lärm, der von Güterzügen ausgeht, soll an der Neubaustrecke entlang der Autobahn ein wirksames Schallschutzkonzept eindämmen. Foto: Victoria Langelott

  4. Konsequenten Lärmschutz fordert die Bürgerinitiative IGEL für Holzhausen und hofft auf Unterstützung durch viele Einwendungen von Bürgern zum angelaufenen Planfeststellungsverfahren. Foto: jonas hirt/victoria langelott

MARCH. Die Bürgerinitiative IGEL verlangt einen besseren Lärmschutz zum geplanten viergleisigen Bahnbau an der Rheintalautobahn. Bei einer von mehr als 200 Menschen besuchten Infoveranstaltung in der Holzhauser Festhalle am Dienstagabend warben IGEL-Vertreter für möglichst viele Einwendungen im laufenden Offenlegungsverfahren. Dazu gab es Informationen zu den Details der Planung, für die das Planfeststellungsverfahren angelaufen ist.

Man habe gemeinsam viel erreicht, sagte Marchs Bürgermeister Helmut Mursa mit Blick auf die 2012 erzielte Einigung im Projektbeirat. Die Kernvorgabe war dabei, dass nachts maximal 49 Dezibel, was dem Geräuschpegel eines leise spielenden Radios entspricht, an den Fenstern in einem Wohngebiet entlang der Strecke ankommen dürfe. Doch dieser Vollschutz, so ergänzte Holzhausens Ortsvorsteher Rolf Lorenz, werde durch die von der Bahn seitdem erarbeiteten Optimierungen wieder infrage gestellt. So wie die Bahn den Lärmschutz berechnet habe, könnten an einzelnen Stellen tatsächlich bis zu 59 Dezibel an Schall, was etwa einem in normaler Lautstärke geführten Gespräch entspreche, ankommen. Das entspreche dem Vorbeifahrpegel, der den Lärm erfasse, der „am Ohr ankommt“, erklärte IGEL-Vorsitzender Johannes Baumgärtner. Die Bahn aber habe ihren Lärmschutz nach den seit 2015 geltenden neuen Berechnungsmethoden erstellt, die auf dem Mittelungspegel beruhen, der den Mittelwert zwischen zwei Lärmereignissen samt der Lärmpause erfasse. Wilderich Kalthoff, bei der Stadt Freiburg zuständig für den Bahnausbau, erläuterte, wie 2015 das Regierungspräsidium eingeschaltet wurde, um angesichts der von der Bahn angestrebten „Kosten-Optimierung“ doch zu einem einvernehmlichen Schallschutzkonzept zu kommen.

Was die Bahn nun vorlegte, entspreche den Vorgaben, erklärte Schallschutzexpertin Ute Lehnertz. So wird in den Berechnungen auch realistischerweise vom noch überwiegend eingesetzten alten und lauten Wagenmaterial Rollmaterial ausgegangen und nicht von den künftig angestrebten leiseren Bremssystemen. Lehnertz machte aber zwei Ecken in Holzhausen – im Bereich Nächstmatten beim Sportgelände sowie im Bereich Wald/Kandelstraße – als neuralgische Punkte aus. Außerdem fehlten in den Planunterlagen Aussagen, ob die geforderten hochabsorbierenden Materialien zum Bau der Schallschutzwände und Galerien zum Einsatz kommen.

Der Teufel stecke also noch im Detail, machten die IGEL-Vertreter deutlich. Dies gilt besonders für die geplanten Schallschutzwände auf der Westseite der Bahnlinie, die östlich parallel neben der Autobahn verlaufen soll. Die Bahn, so Claus Gumpp vom IGEL-Vorstand habe immer wieder neue Berechnungen und Schätzungen vorgelegt mit dem Resultat, dass die vorgesehene Galerie auf Höhe von Holzhausen auf nur noch 360 Meter Länge zusammengeschnurrt sei. IGEL fordere aber nach Süden wie nach Norden eine Verlängerung der Galerie um jeweils weitere 300 Meter. Dabei würde die Schutzwand rund drei Meter weit über die Bahnlinie hinweg seitlich auskragen und so die Schallausbreitung effektiver abdämpfen als die sechs Meter hohe, von der Bahn vorgesehene senkrechte Schallschutzwand. „Es ist keineswegs alles in trockenen Tüchern“, warnte die Freiburger Stadträtin Gerlinde Schrempp. Eindrücklich forderte sie die Bürger dazu auf, ihre jeweils eigenen Anliegen in Einwendungen zum laufenden Verfahren vorzubringen. Dabei gehe es auch um ganz praktische Dinge wie die Frage: „Können Sie später noch auf dem Balkon sitzen?“

Wie wichtig die Einwendungen seien, die bis 27. März beim Freiburger Regierungspräsidium eingehen müssen, machte der von March beauftragte Rechtsanwalt Dario Mock deutlich: „Nur was in Einwendungen steht, kann bei der Planung berücksichtigt werden.“ Eine Einwendung aufzusetzen sei „kein Hexenwerk“. Außerdem bieten IGEL ebenso wie die Gemeinde Hilfestellung an. Mario Utz vom Marcher Bauamt erklärte, dass nicht nur persönliche Betroffenheit, wozu auch mögliche Belastungen während der Bauzeit etwa für Landwirte zählten, eine Rolle spielen. Einwände könnten auch zu Anliegen des Natur- und Landschaftschutzes formuliert werden.

In der Fragerunde wunderten sich Bürger, warum nicht gleich ein gemeinsames Schallschutzkonzept für die Bahn und den möglichen sechsspurigen Ausbau der A 5 entworfen werde. Diese Position vertrete auch die Gemeinde March, erklärte Bürgermeister Helmut Mursa. Voraussetzung sei, dass der Autobahnausbau im Bundesverkehrswegeplan hochgestuft werde, um in das gleiche Zeitfenster wie der Gleisneubau zu kommen.

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