01.12.2016 Bahnlärm belastet jede Nacht 12.000 Bürger in Freiburg

Laut eines Gutachtens zum Schienenverkehr trifft es vor allem Freiburger, die in Zähringen und St. Georgen wohnen. Eine Initiative in Vauban stellt Forderungen an die Stadt.

  1. Die Züge rauschen direkt an Vauban vorbei – nachts auch Güterzüge. Foto: Ingo Schneider

Das Gutachten zum Bahnlärm in der Stadt liegt vor. Danach sind an der Haupt- und der Güterbahnlinie nachts fast 12.000 Freiburger vom Bahnlärm belastet, besonders stark im Norden Zähringens und am Rande St.Georgens. Die Stadtverwaltung will für den nächsten Lärmaktionsplan mehr Schutz fordern. Betroffene in Vauban kritisieren, dass die Stadt die belastende Situation durch ihre Planung erst geschaffen hat (Kommentar).

Die Züge fahren direkt an Vauban vorbei. Und der im Bebauungsplan festgelegte Lärmschutz, zum Beispiel durch isolierte Fenster, reicht nicht, sagt Hanna Kneser von der Bürgerinitiative (BI) gegen Bahnlärm: In einigen Wohnungen wackelt’s, wenn Güterzüge vorbeirumpeln. „Und in heißen Sommernächten muss man das Fenster aufmachen, dann sind Wohnungen im Grunde nicht bewohnbar.“

Lärm von allen Seiten

Weil die erste Häuserreihe Lücken habe, dringe der Schall in die hinteren Reihen und schaukle sich auf, die Folge: Lärm von allen Seiten. Draußen ohnehin. Die BI sieht sich durch das Gutachten bestätigt, fürchtet mit dem Ausbau der Rheintalstrecke mehr Lärm und will, dass die Stadt und die Bahn die Lage entschärfen.

Georg Herffs vom Garten- und Tiefbauamt hat Verständnis. „Aber den Außenbereich zu schützen, war nie vorgesehen.“ Der Gemeinderat habe sich für passiven Schutz entschieden und nicht für aktiven mit Lärmschutzwänden am Gleis. Laut Herffs liegen der aktuellen Lärmkartierung in Vauban veraltete Daten zugrunde – ohne die heutigen Gebäuderiegel, die den Schall zurückwerfen. Kneser meint: „Die machen’s nicht besser, die Lücken sind zu groß.“ Die Stadt solle klären, ob Lärmschutzwände möglich sind.

Anforderungen an den Lärmaktionsplan 2018

Das Gutachten gehört noch zum Lärmaktionsplan (siehe Info) und schätzt, dass 6080 Freiburger an Bahn- und Güterbahnlinie rund um die Uhr mehr als 65 Dezibel ausgesetzt sind, nachts 11.900 über 55 Dezibel. Sie wohnen in 19 Bereichen in der Stadt, davon sind sehr stark belastetet (über 75/65 dB) die Achsen an Wildtal- und Gundelfinger Straße in Zähringen sowie die von der Bergisel- bis Vinzenz-Zahn-Straße in St. Georgen. Zudem macht das Aachener Büro Richter-Richard zwei Bereiche in der Stadt aus, wo Bewohner doppelt gekniffen sind: Schienen- trifft auf Straßenlärm entlang der Strecke von Herdern bis zum Gleisdreieck in Zähringen sowie in der Unterwiehre. Die gute Nachricht der Gutachter: Wo die Schwelle für einen Lärmaktionsplan überschritten wird, gibt es schon Schallschutzwände der Bahn, Schallschutzfenster oder eine Regelung im Bebauungsplan.

Die Gutachter empfehlen der Stadt, Anforderungen an den Lärmaktionsplan 2018 zu stellen, für den dann das Eisenbahnbundesamt zuständig ist: mehr Schallschutzwände, auch an der Vauban-Achse, und häufigeres Schleifen von Gleisen. Eine rechtliche Handhabe gegenüber der Bahn bestehe nicht.

„Was die Entstehung von Lärm angeht, haben wir keine Einflussmöglichkeit“, sagt Herffs. Aber die Stadt kann in den doppelt belasteten Bereichen Straßenlärm verringern. „Und wir werden Forderungen erheben.“ Etwa da nachzubessern, wo die Bahn vor einigen Jahren nicht lärmsanieren musste, aber heute wegen strengerer Grenzwerte und ohne Schienenbonus müsste.

Lärmaktionspläne

Weil Verkehrslärm krank machen kann, schreibt die EU vor, ihn möglichst runterzufahren. Der Gemeinderat stellte 2009 einen Lärmaktionsplan für die am meisten befahrenen Straßen auf.Die Folgen: Debatten und nachts Tempo 30 auf der B 31. Der Aktionsplan 2015 untersuchte mehr Straßen. Die Lärmkartierung für die Schienen lieferte das Eisenbahnbundesamt mit ordentlich Verspätung. Der Gemeinderat senkte für den zweiten Aktionsplan die „Auslösewerte“, ab denen die Stadt Schritte zum Lärmschutz prüfen soll: ab 65 Dezibel nachts (etwas über Zimmerlautstärke) und 55 Dezibel rund um die Uhr (Unterhaltung). Diese Werte haben nicht die Bedeutung wie gesetzlich festgelegte Lärmsanierungswerte.

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Eine Antwort zu 01.12.2016 Bahnlärm belastet jede Nacht 12.000 Bürger in Freiburg

  1. Michael Stelter schreibt:

    Schallschutzfenster bedeuten Käfighaltung. Balkon, Terrasse, Garten können nicht genutzt werden. Schienenschleifen mit 2 Schleifzügen in Deutschland! Wie soll das in vernünftigen Abständen funktionieren? Die Stadt Freiburg kann und wird Schallschutzwände nicht bezahlen.
    Dafür ist die DB und unsere Regierung in Berlin zuständig.
    Michael Stelter Freiburg

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