25.11.2016 (Rheintalbahn) Zähe Verhandlungen über den Lärmschutz fürs 3. und 4. Gleis

Die Bahn AG hat ihren Entwurf für den Ausbau der Rheintalbahn vorgelegt. Mit den Maßnahmen für den Lärmschutz ist die Bürgerinitiative nicht zufrieden. Die Bahn verweist darauf, dass sie den zugesagten Vollschutz umsetzen werde. Die Stadtverwaltung ist zuversichtlich, dass eine Einigung möglich ist.

Einen Schritt weiter, aber noch nicht am Ziel sind die Bahn AG und die Vertreter Region in der Frage des Lärmschutzes fürs geplante 3. und 4. Gleis. Die Beteiligten haben sich zwar im Sommer auf die Rahmenbedingungen verständigt. Doch gehen die Ansichten darüber auseinander, ob der jetzt vorgelegte Entwurf der Bahn die Anforderungen erfüllt.

Die Gespräche gestalten sich zäh und langwierig. Vor genau einem Jahr hatte die Bahn AG ihre Pläne für den Lärmschutz entlang der Rheintalbahn im sogenannten „Regionalen Begleitgremium Güterumfahrung Freiburg“ erläutert – und war auf breite Ablehnung gestoßen. In diesem Gremium sind Freiburg, die Nachbargemeinden, Regierungspräsidium, Land und Bahn vertreten. Die Stadtverwaltung hatte sich damals „irritiert“ gezeigt. Statt der zugesagten Galerien in Landwasser und Lehen sollten Lärmschutzwände genügen. Stadträtin Gerlinde Schrempp, die als stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative „Igel“ engagiert ist, ließ durchblicken, dass der Protest schnell wieder aufflammen könnte.

Im Juni schien das Regierungspräsidium Entwarnung zu geben. In harten und umfangreichen Verhandlungen sei es gelungen, „zu Grundlagen einer Lösung zu kommen, die die Beschlüsse des Projektbeirats berücksichtigt“, hieß es in einer Mitteilung. Gemeint sind: voller Lärmschutz und ein nachprüfbares Rechenmodell.

In der vergangenen Woche trafen sich die rund 40 Mitglieder des „Regionalen Begleitgremiums“ erneut. Kritikerin Schrempp ist konsterniert. „Die Pläne haben sich innerhalb dieses einen Jahres kaum geändert“, sagte sie auf Anfrage der BZ. Vor allem in Lehen und Landwasser, wo vor mehr als vier Jahren noch Galerien vorgesehen waren, bleibe es bei Lärmschutzwänden. In Hochdorf ende die Galerie beim letzten Haus. Früher sei sie rund 250 Meter weitergeführt worden. Galerien sind höher als Lärmschutzwände, benötigen eine tiefere Gründung und haben eine Art Kragen über den Gleisen, wodurch der Schall besser zurückgeworfen wird. Sie sind also besser, aber auch teurer.

Bahn-Sprecher Michael Breßmer kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Wir werden die Entscheidungen des Projektbeirats vollumfänglich umsetzen.“ In diesem Projektbeirat hatten sich Bund, Land, Kommunen und Bürgerinitiativen im März 2012 auf mehr Lärmschutz verständigt und damit die drohende Blockade durch mehr als 70000 Einwendungen gegen die Rheintalbahnpläne abgewendet. 84 Millionen Euro mehr sind für zusätzliche Maßnahmen allein für die Trasse bei Freiburg vorgesehen. „Der Vollschutz kommt“, versichert Bahnsprecher Breßmer. Dass stellenweise Lärmschutzwände statt Galerien geplant seien, habe einen einfachen Grund. Vor vier Jahren hätten nur Schätzungen vorgelegen, jetzt sei die Lärmbelastung gutachterlich berechnet worden. „Wir errichten Galerien dort, wo sie nötig sind“, sagt Breßmer, „wir sind gehalten, Steuergeld wirtschaftlich einzusetzen.“

Einen Gutachter hat auch die Stadtverwaltung eingeschaltet. „Der Entwurf der Bahn wird geprüft“, sagt Wilderich Kalthoff, der im Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung zuständig ist für die Rheintalbahn. Er ist froh, dass nun Berechnungen und ein nachprüfbares Modell dafür vorlägen. Jetzt müsse die Bahn nachweisen, dass ihre Maßnahmen ausreichen, um vollen Lärmschutz zu gewährleisten. Der Entwurf werde noch geprüft, sagt Kalthoff: „Wir werden uns aber nochmal treffen müssen.“ Ins Detail gehen will er derzeit nicht.

Im nächsten Jahr soll die Öffentlichkeit über die Planung informiert werden. Stadträtin Gerlinde Schrempp kann sich nicht vorstellen, dass die Bürger den aktuellen Stand akzeptieren würden. Die Befriedung, die der Projektbeirat mit seinem Kompromiss bewirkt hat, sei ernsthaft in Gefahr.

Die Rheintalbahn

Der Aus- und Neubau der Rheintalbahn ist Teil der Verbindung Rotterdam – Genua und soll rund sechs Milliarden Euro kosten. Bei Freiburg sollen das dritte und vierte Gleis parallel zur Autobahn gebaut werden. Der Projektbeirat, in dem Bund, Land, Region, Bahn und Bürgerinitiativen vertreten sind, einigte sich am 5. März 2012 unter anderem darauf, zusätzlichen Lärmschutz am Freiburger Abschnitt in Höhe von 84 Millionen Euro zu realisieren.

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