10.10.2016 Neues Messverfahren gegen Bahnlärm

Neues Messverfahren gegen Bahnlärm

Den Krachmachern auf der Spur

2020 sollen in Deutschland keine lauten Güterzüge mehr fahren dürfen, der Lärm soll bis dahin halbiert werden. Bluthochdruck, Kreislaufprobleme, Herzrasen – die Gesundheit leidet, das ist längst Fakt und mehrfach belegt. Wenn der Schweizer Gotthardt-Tunnel im Dezember in den Regelbetrieb übergeht, werden zu den derzeit 400 Zügen noch 75 weitere dazukommen.

Nur 17 Meter sind es von Dieter Enkirchs Haus in Osterspai bis zur Schiene. Mit dem Lärm kann er sich nicht abfinden: „Da bin ich immer sehr gereizt, weil man uns, die Betroffenen, im Stich lässt. Ich kann nachts ohne Ohrenschützer nicht mehr schlafen.“ Die Umstellung der Waggons auf leisere Kunststoffbremsen komme inzwischen ganz gut voran, erkennt Willi Pusch von der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm an.

Willi Pusch,  Bürgerinitiative gegen Bahnlärm

Willi Pusch von der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm

Bis Ende 2020 sollen alle Güterzüge auf die leise Flüsterbremse umgerüstet sein, das wird klappen, glaubt er. Doch das reiche einfach nicht aus für das Tal. „Es gibt nur eine Möglichkeit: Der Schienengüterverkehr muss langfristig hier aus dem Rheintal raus“, so seine Forderung. „Wir brauchen eine Neubahntrasse von St. Augustin bis Mainz.“ Das sei zwar teuer und aufwendig, aber würde sich auch wirtschaftlich lohnen. Denn hier verlaufe nun mal die internationale Güterverkehrsstrecke zwischen Rotterdam und Genua. „Und die Rheintalstrecke ist für diesen modernen Güterverkehr überhaupt nicht geeignet“, lautet sein Fazit. Doch von einer solchen Maßnahme will man im Wirtschaftsministerium nichts wissen. Zu unrealistisch, heißt es.

Hoffnungsträger aus Eppelsheim

Daumen drückt auf Eisenbahnschiene

Ein Daumendruck genügt, damit das System reagiert

Nun ruht die Hoffnung der geplagten Anlieger auf einem neuen Meßverfahren. In Leutesdorf bei Neuwied ist eine der modernsten Meßstationen Deutschlands aufgebaut. Sie kann sogar an dem Waggon feststellen, ob ein Rad defekt ist. Sie wird von Eppelsheim in Rheinhessen aus ferngesteuert. Hier sitzt ihr Erfinder Stefan Pieper, Geschäftsführer der Firma InnoTec GmbH. Sie betreiben weltweit Überwachungssysteme von Schienenbahnen. „Dort haben wir einen Laser, der auf einen Sensor trifft und dadurch messen wir die Biegung der Schiene.“ Kaum zu glauben: Ein Daumendruck genügt, und ein Ausschlag am Monitor wird sichtbar.

Messskala mit roten und gelben Flächen

Die rote Ampel zeigt, wenn ein Zug zu laut ist.

Die Meßdaten laufen in Eppelsheim ein. Die Ampel rot heißt, dass in dem Güterzug ein Grenzwert überschritten worden ist. 60 Meßwerte kann das System in Echtzeit rad-genau erfassen. Abgenutzte, unrunde Räder verursachen zum Beispiel mehr Lärm als neue runde.

Stefan Pieper erläutert weiter: „Wir haben gemessen, dass im Zug drin weit mehr als 100 Dezibel verursacht werden. Und Grauguß gebremste Räder erzeugen weit mehr Krach als Kunststoff gebremste.“ Doch Kunststoffbremsen unterliegen einem höheren Verschleiß und müssen ständig überwacht und gewartet werden. Dadurch könne aber eine nachhaltige Lärmminderung erreicht werden.

Das System erkennt weit mehr, als so manchem lieb ist. Weil es Lärmverursacher identifizieren und so in die Pflicht nehmen kann. Betroffene wie Dieter Enkirch schöpfen wieder Mut. Vielleicht bekommt man so den Lärm in den Griff. 2017 soll bundesweit ein Überwachungs-System installiert werden. Die Ausschreibung läuft, das System aus Rheinhessen hat da beste Chancen.

Quelle und Videolinks: http://www.swr.de/landesschau-rp/neues-messverfahren-gegen-bahnlaerm-den-krachmachern-auf-der-spur/-/id=122144/did=18042636/nid=122144/1smtkbi/

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