28.8.2016 (Elmshorn) Anlieger: Mehr Lärm durch Lärmschutzwand

Elmshorn

Anlieger: Mehr Lärm durch Lärmschutzwand

Von Anne Dewitz

Anwohner am Holzweg in Elmshorn fordern für ihre Seite der Gleise Bauwerk gegen Krach. Bahn lehnt Anliegen als unwirtschaftlich ab.

Elmshorn.  Melanie Hoffmann und ihre Schwiegermutter Zofia Laskowski stehen auf der Terrasse und unterhalten sich. Ein Güterzug donnert vorbei. Für einige Sekunden verstehen die Frauen ihr eigenes Wort nicht mehr. Ein Gespräch ist nicht möglich. Durchschnittlich alle sieben Minuten fährt ein Zug an ihrem Haus vorbei. Rund 210 Fern-, Nah- und Güterzüge täglich.

Bislang war das für die Familie am Holzweg kein Problem. Als sie das Haus nahe der Gleise vor sieben Jahren kauften, wussten sie, vorauf sie sich einließen. Doch seit Mai steht auf der gegenüberliegenden Seite eine Lärmschutzwand. Die reflektiert den Lärm und verstärkt ihn auf der gegenüberliegenden Seite, so der Eindruck der Anwohner dort.

Fünf Häuser sind für eine Lärmschutzwand zu wenig

Die haben sich zusammengetan und fordern nun auch für sich Lärmschutz ein. Sebastian Mundt organisiert den Protest der etwa 15 Bewohner. Er informiert in einer Facebook-Gruppe, sammelt Unterschriften, steht in Kontakt mit Stadtverwaltung und Deutscher Bahn (DB). Doch offizielle Reaktionen machen wenig Hoffnung. „Bürgermeister Volker Hatje hat zwar Verständnis für unsere Situation, aber darauf hingewiesen, dass die Stadt nicht für die Durchsetzung des Lärmsanierungsprogramms des Bundes zuständig ist“, sagt Mundt. Er muss beim Fernsehen und zum Schlafen, die Fenster schließen. „Vor allem die Güterzüge, die abends und nachts schnell fahren, sind ein Problem“, sagt er.

Bei der DB wiederum verweist man darauf, dass Lärmsanierung auf Grundlage des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms des Bundes geschehe. Für entsprechende Maßnahmen würden jährlich 100 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt.

Bei den Anwohnern am Holzweg kommt davon nichts an. Laut Auskunft der DB sei eine Lärmschutzwand bei nur fünf anspruchsberechtigten Wohngebäuden nicht wirtschaftlich. Die Häuser am Holzweg grenzen an eine Gartenkolonie.

Unter welchen Bedingungen der Bau von Schutzmaßnahmen möglich ist, ergibt sich aus den Regelungen der Förderrichtlinie des Bundes. Voraussetzungen sind, dass die betroffenen Gebäude vor dem 1. April 1974 errichtet oder genehmigt wurden und dass an den Gebäudefassaden der festgelegte Grenzwert der Lärmsanierung überschritten ist.

„Zu uns kam niemand, um den Lärm zu messen“, sagt Mundt. Das bestätigen auch Melanie Hoffmann und Zofia Laskowski. Dabei sei ihnen auf einem Infoabend der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr erzählt worden, dass jemand vor und nach dem Bau der Lärmschutzwand auf der gegenüberliegenden Seite vorbeikäme, um genau dies zu tun.

Die DB wiederum verweist darauf, dass für die Stadt Elmshorn ein schalltechnisches Gutachten erstellt worden sei. Die Ergebnisse des Schallschutzgutachtens seien im Vorwege öffentlich im Rathaus ausgelegt und somit für alle einsehbar.

Dabei seien auch Pegelüberschreitungen an Wohngebäuden ermittelt worden, die einen Erhalt von Fördergeld aus dem Programm ermöglichen. Allerdings trifft das nur für ein Gebäude zu. Denn lediglich ein Haus am Holzweg Nr. 2 ff wurde vor dem 1. April 1974 errichtet und überschreitet die Grenzwerte. Bei allen anderen würde der Kosten-Nutzen-Faktor gegen sie sprechen.

Zudem schließt die DB aus, dass die auf der gegenüberliegenden Seite liegende Lärmschutzwand zu einer Verschlechterung der Lärmsituation am Holzweg führe. Denn die Lärmschutzwandelemente seien „hochabsorbierend“. Das Aluminiumblech sei engmaschig mit kleinen Eintrittslöchern durchzogen. So könne der Schall in den Mittelkern aus Schalldämmwolle gelangen. Die Anliegerseite der Lärmschutzwand sei mit einer geschlossenen Aluminiumplatte versehen, so eine Bahnsprecherin. „Der Schall wird aufgenommen.“ Sie verweist auf Erreichtes: Von den bislang errichteten Lärmschutzmaßnahmen würden allein in Elmshorn 472 Wohneinheiten profitieren.

Dass der Lärmschutz dennoch lückenhaft ist, zeigt auch ein anderer Fall aus dem Kreis Pinneberg. Auch im Pinneberger Stadtteil Thesdorf hatte die Bahn Hunderte Meter Lärmschutzwand errichtet. Doch direkt vor den Wohnhäusern auf Höhe des Düpenau Ecks klafft bis heute eine Lücke. In der Begründung der Bahn hieß es damals, dass die Häuser, die direkt an den Gleisen stehen, schalldicht gebaut wurden und zudem als Schallschutz für dahinterliegende Häuser dienen würden. Anwohnerproteste verhallten ungehört.

Die Anwohner am Holzweg wollen trotz schlechter Aussichten den Kampf David gegen Golliath um mehr Lebensqualität nicht aufgeben und, wenn nötig, auch ein eigenes Lärmgutachten in Auftrag geben.

Quelle: http://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article208135837/Anlieger-Mehr-Laerm-durch-Laermschutzwand.html

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