22.7.2016 (Herbolzheim) Das Ende der Belastung ist in Sicht

Das Ende der Belastung ist in Sicht

Bis Anfang November soll die 1690 Meter lange Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke stehen / Baubeginn ist 1. August.

  1. Östlich der Bahnstrecke zur Häuserfront hin, in drei Metern Abstand zum Gleis, auf dem der ICE gerade fährt, soll die 2,4 Millionen Euro teure, 1690 Meter lange und drei Meter hohe Lärmschutzwand entstehen. Das Foto entstand im Bereich der Belchenstraße. Foto: Siegfried Gollrad

HERBOLZHEIM. Für die lärmgeplagten Anwohner der Bahnstrecke in Herbolzheim ist ein Ende der Leidenszeit in Sicht: Die 1690 Meter lange und rund 2,4 Millionen Euro teure Schallschutzwand, die auf der östlichen Seite der Rheintalstrecke geplant ist, verspricht eine spürbare Verbesserung des Schallpegels für das Stadtgebiet. Die Arbeiten sollen am 1. August beginnen und am 4. November beendet sein. Doch ehe es leise wird, müssen die Angrenzer noch den unvermeidlichen Baulärm aushalten. Über Einzelheiten haben Bahn und Stadt am Mittwoch informiert.

Der Rückblick
„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Bürgermeister Ernst Schilling eingangs der von rund 40 Bürgern besuchten Informationsrunde in der Aula der Emil-Dörle-Schule. Er erinnerte daran, dass der Wunsch der Stadt nach mehr Lärmschutz bis ins Jahr 1999 zurückreiche. Die Absage wurde damals mit dem zu erwartenden Schallschutz für die Neu- und Ausbaustrecke begründet. Intensive Bemühungen von Stadt und der Bürgerinitiative führten zum Erfolg, nachdem sich vor zweieinhalb Jahren abgezeichnet hat, dass die Stadt Anspruch auf Lärmschutz hat, weil weit mehr als zehn Jahre vergehen werden, bis mit dem Ausbau der Rheintalbahn begonnen werden kann.

Die für die Lärmsanierung federführende DB-Projektbau in Karlsruhe stellte eine rund 1400 Meter lange Schutzwand in Aussicht, finanziert aus Mitteln des Lärmsanierungsprogramms des Bundes. Dem Wunsch Herbolzheims, die Wand auf Kosten der Stadt (420 000 Euro) um rund 300 Meter zu verlängern (270 Meter im Norden, 30 in Richtung Süden), wurde entsprochen. „Wir sind dankbar, dass nun gebaut wird und ein Ende der Belastung in Sicht ist“, sagte Bürgermeister Ernst Schilling. Nun müsse eben auch die Zusatzbelastung während der Bauzeit in Kauf genommen werden.

Wie Schilling lobte auch die Projektmanagerin der Bahn, Sabine Weiler, die gute Zusammenarbeit zwischen DB Projektbau und der Stadt Herbolzheim. Von der Planung über die Finanzierungszusage bis zum Baurecht habe beim „Pilotprojekt“ für Herbolzheim alles gut geklappt.

Die Bauzeit
Sabine Weiler stellte den Bürgern den Bauzeitenplan vor, der im Detail über die Homepage der Stadt eingesehen werden kann. Lärmbelästigungen, nachts und auch an Wochenenden, ließen sich nicht vermeiden, weil die Bauarbeiten überwiegend nur vom Gleis aus geführt werden könnten. Wegen der dichten Zugfolge sei es nicht möglich, unter der Woche tagsüber zu arbeiten. Die Bahn hat an alle Anlieger Flyer verteilt, die Infos und Handynummern von Ansprechpartnern der Bahn vor Ort enthalten. „Scheuen Sie sich nicht, anzurufen, wenn es dauerhaft zu laut wird. Manchmal lässt sich ja was regeln“, sagte Sabine Weiler.

Symbolischer Spatenstich für das Bauprojekt ist am Mittwoch, 27. Juli, um 11 Uhr. Die vorbereitenden Arbeiten mehrerer Firmen (Baustelleneinrichtung, Materiallager) beginnen ab dem 1. August. Richtig los geht es, wenn die Fundament- oder Gründungsarbeiten für die Wand am 20. August beginnen. Am 4. November soll dann alles fertig sein.

Der Ablauf
Besonders lärmintensiv sind die Gründungsarbeiten, die etwa vier Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Sie sollen im Süden beginnen. Im Abstand von jeweils fünf Metern zueinander werden Rammrohre per Rütteltechnik in den Boden versenkt, in die die Stahlstützen einbetoniert werden. „Es wird nicht so schlimm, wie man sich’s vorstellt“, prognostizierte Sabine Weiler und versprach zügigen Baufortschritt. Eine Schicht schaffe 20 bis 30 Rohre. In rund 10 Minuten sei ein Rohr in der Erde verschwunden, sofern der Untergrund keine größeren Probleme mache. Damit sei jedoch nicht zu rechnen: „Ein Gutachten wurde erstellt. Wir kennen den Baugrund“, ergänzt Weiler. Parallel zu den Gründungsarbeiten werden abschnittsweise die Stützen und Betonsockel errichtet und schließlich die einzelnen Wandelemente eingebaut, die in der Regel einen Abstand von drei Metern zum östlichen Gleis haben. Die Wandelemente sind 12 Zentimeter dick, grau oder grün und bestehen aus gelochten und mit Schalldämmwolle gefüllten Aluminiumkassetten. Im Bereich des Bahnhofs, wo sich die Wandelemente überlappen, um eine Schalllücke zu vermeiden, ist der Abstand zum Gleis fünf Meter. Eine Sonderkonstruktion sei im Bereich der Brücke über die Rheinhausenstraße notwendig. Die Lärmschutzmauer hat eine Höhe von drei Metern über Schienenoberkante.

Der passive Lärmschutz
Obwohl die Schutzwand eine spürbare Verbesserung der Lärmsituation bringe, seien nach derzeitigem Stand bei 442 Wohneinheiten „passive Maßnahmen“ (Schallschutzfenster) erforderlich, um die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten, teilt die Bahn mit. Diese Zahl, so informierte Sabine Weiler, werde sich noch geringfügig erhöhen, weil zum 1. Januar dieses Jahres die Grenzwerte um 3 Dezibel gesenkt worden seien. Deshalb müsse das schalltechnische Gutachten für Herbolzheim überarbeitet werden. Mit den konkreten Ergebnissen sei erst zu Beginn des kommenden Jahres zu rechnen. Weiler geht davon aus, dass dann eventuell noch eine Häuserzeile hinzukomme, deren Eigentümer Anspruch auf passiven Schutz hätten.

Das weitere Procedere sieht laut Bahn so aus: Die Betroffenen werden angeschrieben und sollten sich äußern, ob sie passiven Lärmschutz in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Die Bahn beauftragt ein Ingenieurbüro, dessen Vertreter mit den Berechtigten Kontakt aufnehmen, vor Ort in den Räumen eine Bestandsaufnahme machen und ein „objektbezogenes Gutachten“ mit Kostenschätzung erstellen. Die Eigentümer können dann entscheiden, was sie in Anspruch nehmen wollen. Grundlage für die Förderung sei das günstigste Angebot. Der Bund übernehme 75 Prozent der Kosten, die Eigentümer 25 Prozent. Wichtig dabei: „Sie müssen nicht in Vorleistung treten, wir bezahlen zuerst“, sagte Sabine Weiler. Sonderwünsche oder der Wunschhandwerker allerdings seien von den Eigentümern alleine zu bezahlen.

Die Kosten der passiven Maßnahmen, wenn alle Eigentümer alles realisieren lassen würden, beziffert die DB Netze AG in Karlsruhe auf BZ-Anfrage einschließlich des 25-prozentigen Eigenanteils der Eigentümer auf etwa 1,3 Millionen Euro. Erfahrungsgemäß würden aber nicht alle Eigentümer die passiven Maßnahmen in Anspruch nehmen, so die Bahn.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/herbolzheim/das-ende-der-belastung-ist-in-sicht–125185973.html

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