20.7.2016 (Katzenbergtunnel) Fehlgeleiteter Zug, ratlose Reisende

BZ-Leser berichten von der erneuten Falschleitung eines RE Richtung Tunnel und von gestrandeten Reisenden in Efringen-Kirchen.

  1. Blick auf die Schienenkreuzung südlich von Eimeldingen Foto: Lauber

EFRINGEN-KIRCHEN/EIMELDINGEN. Was soll man denken, wenn bei Eimeldingen zum wiederholten Mal ein Nahverkehrszug fälschlich aufs Gleis Richtung Katzenbergtunnel geleitet wird, bevor er gestoppt wird? Was tun, wenn mitten in der Nacht der Zug in Efringen-Kirchen hält und der angekündigte Bus zum Weitertransport ausbleibt? Zwei Leser haben uns ihre beiden Bahn-Erlebnisse vom vergangenen Wochenende geschildert. Während der zweite Fall für Bahnkunden „nur“ ärgerlich ist, wirft der erste die grundlegende Fragen nach der Sicherheit auf.

Zug auf dem falschen Gleis
Die Leserin in dem Zug, der aufs falsche Gleis geleitet wurde, schildert der BZ den Hergang so: Sie war am Samstag mit dem ICE von Karlsruhe kommend bis Basel gefahren, um von dort mit dem Regionalexpress nach Eimeldingen zu gelangen. „Der Zug fuhr planmäßig in Basel (18.48 Uhr) und Haltingen (18.54 Uhr) ab, Eimeldingen erreichte er aber mit circa 20-minütiger Verspätung.“ Warum? Laut Zugdurchsage hatte der Fahrdienstleiter den Zug bei der Schienenkreuzung kurz vor Eimeldingen auf das Gleis Richtung Katzenbergtunnel geleitet. Kaum stand der Zug, sahen die Reisenden einen Güterzug in Gegenrichtung, also Richtung Basel, über die Schienenkreuzung fahren. Die BZ-Leserin vermutet, „dass ein Sicherheitssystem gegriffen hat, als wir auf das falsche Gleis geleitet wurden und der Güterzug aus Norden freie Fahrt hatte.“ Ein ungutes Gefühl hatte sie trotzdem und es blieben für sie Fragen: Was, wenn sich RE und Güterzug auf der Schienenkreuzung begegnet wären? Und: Wie kann es sein, dass diese Fehlleitungen sich offenbar häufen? Anfang Mai erst hatte die BZ von einem Regionalzug der Deutschen Bahn berichtet, der an gleicher Stelle auf das falsche Gleis Richtung Katzenbergtunnel geleitet worden war. Und exakt das Gleiche wiederholte sich Mitte Juni.

Ersatzverkehr fehlt
Den anderen Fall schildert ein Leser aus Haltingen, der öfter den ersten Zug am Sonntag von Freiburg nach Basel nimmt, der um 1.32 Uhr früh in Freiburg abfährt. Ein praktischer Zug für alle, die am Samstag Veranstaltungen in Freiburg besuchen. Am vergangenen Sonntag allerdings war durch Durchsagen im Zug zu erfahren, dass der Zug nur bis Efringen-Kirchen fährt, dort aber ein Bus bereit steht. Doch als die Reisenden mit circa fünfminütiger Verspätung in Efringen-Kirchen eintrafen, also um 2.13 Uhr, war kein Bus in Sicht, schildert der Haltinger der BZ: „Es standen dort wohl um die hundert Personen, die auf die Weiterfahrt warteten.“ Zunächst seien noch die zwei Bahn-Bediensteten aus dem Zug am Bahnhof gestanden. Eine junge Frau erzählte ihm allerdings später, die beiden hätten auf ihre Frage recht unwirsch auf ihren Feierabend hingewiesen und keinerlei Veranlassung gesehen, sich um den Bus zu kümmern. „Die Verantwortlichkeit kann doch nicht nach dem Schließen der Zugtüren vorbei sein,“ wunderte er sich.

Die Fahrgäste versuchten derweil, so schildert der Bahnkunde der BZ weiter, sich zu behelfen. Weil er selbst in Anzug und Krawatte war, hätten viele ihn auch für einen Bahnmitarbeiter gehalten und ihn angesprochen. Mehreren Jugendlichen, deren Handyakkus leer war, lieh er sein Handy, damit sie ihre Eltern anrufen konnten, um sich abholen zu lassen. Verschiedene Gruppen hätten sich Taxis besorgt, was aber um die Uhrzeit auch nicht einfach war. Offenbar verlangten verschiedene Unternehmer überhöhte Anfahrtspauschalen. Er selbst wurde letztlich von Leuten mit nach Haltingen genommen, die ein Fest in der Nähe besucht und mitbekommen hatten, dass so viele Leute am Bahnhof gestrandet sind. Womit die Sache für ihn aber nicht endete. Weil er den noch in Efringen-Kirchen stehenden jungen Leuten helfen wollte, rief er noch eine Servicenummer der Bahn an, die er im Internet gefunden hatte. Er sei bei einer Frau gelandet, berichtet er, die ihm erklärte, dass man sich an die 3S-Zentrale oder an den nächsten größeren Bahnhof zu wenden hätte. Sie sei in Norddeutschland und könnte überhaupt nichts tun. Der Haltinger hatte am Bahnhof Efringen-Kirchen aber keinen Hinweis auf die 3S-Zentrale gesehen und zum nächstgrößeren Bahnhof zu kommen war auch nicht so einfach. Das Fazit des enttäuschten Bahnkunden: „Das Interesses der DB, ihren gestrandeten Fahrgästen zu helfen, ist nicht sonderlich groß.“

Was die Bahn sagt
Nach den beiden Fehlleitungen im Mai und Juni hatten Sprecher der Bahn erklärt, der Fahrdienstleiter in Weil am Rhein habe die Fahrstraße aus Versehen falsch eingestellt. Die Sicherheit der Fahrgäste sei aber zu keiner Zeit gefährdet gewesen, da die Fahrstraße nur dann eingestellt werden könne, wenn die Strecke frei sei. Zu den beiden aktuellen Vorfällen vom Wochenende war von der Bahn gestern noch keine Auskunft zu bekommen. Die Bahn-Pressestelle in Stuttgart nahm die Anfrage der BZ entgegen, konnte aber noch keine Antwort ermitteln.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/efringen-kirchen/fehlgeleiteter-zug-ratlose-reisende–125011541.html

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