5.6.2016 So wirkt der Gotthard-Basistunnel auf den Zugverkehr

Der Gotthard-Basistunnel ist in Betrieb. Grenznahe Verladeterminals lassen vorerst auf sich warten. Fahrplanwechsel ist erst im Dezember. Wie wirkt sich der Tunnel auf den Güterverkehr in Deutschland aus?

  1. Bis zu 30 Güterzüge pro Tag fährt die Deutsche Bahn von und nach Weil über die Gotthardstrecke. Foto: Rolf Reißmann

Theoretisch könnten seit Mittwoch via Weil nach Italien fahrende Güterzüge die Route durch den neuen Gotthardbasistunnel nehmen. Doch wie bei Großprojekten üblich muss dort erst der praktische Betrieb geprobt werden. Außerdem gehört der Tunnel erst seit Mittwoch den Schweizerischen Bundesbahnen, zuvor der Baugesellschaft Alp Transit.

Bisher konnten die SBB zwar vieles planen, den Alltag gestalten sie erst jetzt und so fuhr am Freitag der erste Güterzug durch den Tunnel. Dennoch wird bis zum Fahrplanwechsel im Dezember im Dreiländereck kaum eine Wirkung der neuen Strecke spürbar sein.

Unmittelbare Veränderungen im Güterverkehr im Kreis Lörrach sind kurzfristig ohnehin nicht zu erwarten, denn Großverlader, die Ganzzüge gen Süden zusammenstellen, gibt’s hier (bislang) nicht. Die Züge durch den Gotthard fahren meist im Transit zwischen Rotterdam oder den Terminals in Nordrhein-Westfalen und Italien.

Langfristige Auswirkungen

Dennoch sind im Dreiländereck langfristig Auswirkungen zu erwarten – zumal die Chefs von DB, SBB und der italienischen FS laut einer Mitteilung der SBB bereits Weg einer grenzüberschreitenden Trassenplanung erörtern. Entscheidend ist dabei vor allem, dass der Wegfall der Höhendifferenz von rund 680 beziehungsweise 820 Metern Auf- respektive Abstieg Energieeinsparungen und neue Option eröffnet. Damit können Güterzüge auch länger sein als bisher. Das wird auch auf der Rheintalbahn so sein. Anlässlich der Eröffnung des neuen Tunnels forderte der Präsident der Alpeninitiative, John Pult, zudem möglichst schnell mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, denn auf der Autobahn bleibt der energiefressende Bergverkehr erhalten.

Deshalb liegt es nahe, Container oder ganze Lastwagen vor den Alpen auf Waggons zu verladen. Das große Terminal für die rollende Landstraße in Freiburg wird derzeit umgebaut, so dass ab Jahresende noch mehr Lastwagen auf Zügen durch den Oberrheingraben von und nach Freiburg fahren können, das entlastet die A 5 südlich von Freiburg.

 

 

Neue Verladeterminals geplant

Etwa 2022 soll auch das neue Terminal Basel Nord unmittelbar an der Landesgrenze neben dem Weiler Umschlagbahnhof fertiggestellt sein, das wird gerade im südlichwestlichen Teil des Kreises Lörrach durch die von der A5 abfahrenden Lastwagen erhebliche Veränderungen der Güterverkehrsströme im Grenzbereich bewirken. Neue Verladeformen für nicht kranbare Sattelauflieger veranlassen andere Eisenbahnunternehmen zudem dazu, den Bau weiterer Verladeterminals am Oberrhein zu planen. Damit soll der Lkw-Strom über die Alpen verringert werden, das würde auch weitere Entlastung am Oberrhein bringen.

Andrerseits ordnen weltweit agierende Logistikunternehmen wie der dänische Marktführer Maersk die Verkehrsströme neu. Nach der Erweiterung des Suezkanals bauen sie nun die norditalienischen Häfen Savona und La Spezia an der ligurischen Küste als schnelle Containerumschlagplätze aus. So werden bereits in wenigen Jahren deutlich mehr beladene Züge von Süd nach Nord durch den Gotthardbasistunnel rollen. Damit verringert sich die Transportzeit vom Mittelmeer in die badischen Wirtschaftszentren Karlsruhe und Mannheim gleich vier bis fünf Tage. So wird im Rheintal der Güterzugverkehr nach Norden deutlich zunehmen. Bis die gesamte Transportkette mit dem Vier-Meter-Korridor wirksam wird, sind aber noch die Arbeiten am Ceneri-Tunnel im Tessin sowie am Bözberg im Aargau abzuschließen, diese sollen laut SBB bis Ende 2020 fertig sein.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/basel/neue-optionen-fuer-den-gueterverkehr–122726306.html

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